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von Nepomuk Derksen
Baukunst - Aktionen mit Lehm, Wasser und Feuer für Kinder und Jugendliche in sozialen Brennpunkten und Bildungseinrichtungen.
Projektträger
Der gemeinnützige Verein Bunte Kuh e.V. ist seit seiner Gründung im Jahre 1985 in Hamburg tätig. Wir sind ein kleiner Verein mit einem kontinuierlich sehr hohen Anteil an ehrenamtlicher Arbeit. In unserer Arbeit verbindet sich die Zusammenarbeit der Generationen, Kulturen und Schichten mit kultureller Bildung, Architekturpädagogik, Umweltbildung, Gewaltprävention und Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche, Stadtteilkultur und die Arbeit mit körperlich und geistig Behinderten.
Die Lehmbau-Aktion
Unter einem großen, nach allen Seiten offenen Zelt, entstehen unter den Händen von kleinen und großen „Baumeistern“ frei modellierte Lehm - Landschaften mit begehbaren Räumen und Skulpturen bis zu drei Meter Höhe. Kinder bauen nach ihren eigenen Entwürfen und Hand in Hand mit ihren Eltern und Nachbarn, mit Menschen verschiedener Ethnien, mit geistig- und körperlich Behinderten, mit Künstlern, Pädagogen und mit fachlicher Betreuung, innerhalb von zwei Wochen eine neue Stadtlandschaft: Labyrinthe, Höhlen, 1001 Kuppeln, reich verzierte Türme und von Drachen bewachte Tore....
Die Kinder werden in die Projektplanung aktiv mit einbezogen, indem sie zusammen mit den Fachleuten einige ihrer Modelle auswählen, die sie dann gemeinsam in Groß realisieren. Mittels einer selbst entwickelten Lehmpresse können Lehmstränge in einer auch schon für kleine Kinder leicht handhabbaren Größe und Konsistenz produziert werden. Am letzten Bautag wird mit Musik und Spezialitäten aus dem Lehmofen gefeiert. In der dann folgenden Ausstellungszeit können die Kunstwerke noch einmal 1-2 Wochen ausgiebig bestaunt und geklettert werden. Dann werden die Bauten abgetragen und der Lehm für das nächste Bauabenteuer wieder genutzt. Die Kinder nehmen ihre Modelle mit nach Hause, in die Schule und in die Kita. Die Aktionen finden mit regelmäßigen Wiederholungen am selben Ort, über mehrere Jahre und jeweils im Sommerhalbjahr von Mai bis September statt. Im Winter werden die Stadtteil-Netzwerke von Jahr zu Jahr weiter ausgebaut, erfolgen Dokumentation und Evaluation der Projekte und ihre Kommunikation in die Politikfelder Kultur, Gesundheit, Bildung und Stadtentwicklung.
Zielgruppe
Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern in sozialen Brennpunkten zu leisten, indem wir vor Ort durch niedrigschwellige Mitmach-Aktionen - für alle Besucher offen und kostenlos - kulturelle Bildung im Bereich Architektur/künstlerisches Gestalten anbieten. Wir erreichen Zielgruppen mit besonderem Handlungsbedarf, wie sozial benachteiligte, bildungsferne Schichten und MigrantenInnen, indem wir das Projekt als regelmäßigen kreativen Impuls über mehrere Jahre hinweg in sozialen Brennpunkten durchführen (z.B. in Berlin-Kreuzberg, Potsdam-Drewitz, Bremen-Tenever, Hamburg-Lurup und anderswo). Als reisender Wanderzirkus fördern wir Gestaltungskompetenz und Persönlichkeitsentwicklung in enger Kooperation mit den jeweiligen Einrichtungen vor Ort.
Durch die Kooperation mit Kitas, Schulen, Familienzentren und Elternschulen im Stadtteil erreichen wir bereits kleine Kinder. Schon ab drei Jahren können sich Kinder mit ihren ErzieherInnen bzw. Eltern an dem gesamten Bauprozess beteiligen - vom Entwurf bis zum großen Bauwerk. Pro Aktion erreichen wir in einem Zeitraum von zwei Wochen Bauzeit und einer Woche Ausstellungszeit ca. 2000 Personen. Die Kinder und Jugendlichen kommen zu uns über die kooperierenden Schulen, Kitas, Elternschulen, Jugendhäuser, Behinderteneinrichtungen aus dem Stadtteil und zu gleichen Teilen in ihrer Freizeit mit Eltern, Großeltern und Freunden. Die erfolgreiche Einbindung der Zielgruppe der sozial Schwachen in das Kunstprojekt ist nachgewiesen in der Wirksamkeitsabschätzung, Konzept und Prozessevaluation durch das Institut für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Ziele und Wirkungen
Die Lehmbau-Aktionen ermöglichen benachteiligten Kindern und Jugendlichen das Erlebnis sinnlicher, kreativer, Gesundheit und Integration fördernder Bauprozesse, bei denen der Baustoff Lehm seine faszinierende ’soziale und kulturelle Klebekraft’ entfaltet. Unser Projekt „Räume durch Erleben entwerfen“ fördert, neben den sozialen Fähigkeiten der Kinder ganz besonders die Erfahrung eigener gestalterischer Fähigkeiten. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Während des Bauens, wobei ca. 25 m3 Lehm geknetet, gestampft und mit Fäusten bearbeitet, verstrichen und verziert werden, wird die Gestaltungsund Bewegungsfreude auf natürliche Weise gefördert, die Fein- und Grobmotorik geübt. Von Erziehern und Eltern mit Verwunderung und großem Interesse beobachtet wird immer wieder die Entwicklung psychomotorischer Fähigkeiten: gerade so genannte hypermotorische Kinder sind ausdauernd und konzentriert arbeitend bei der Sache. Schon Kleinkinder machen erste Material-Erfahrungen, kneten und schmecken den Lehm, spielen in den eigens für sie angelegten „Matschkuhlen“. Es gibt auf der Lehm-Baustelle vielfältige und frei wechselbare Beteiligungsangebote an einem Ort zur selben Zeit. Jedes Kind kann sich mit seinen Fähigkeiten und Sehnsüchten einbringen, jedes Kind findet seinen Platz im gemeinsamen kreativen Prozess: die Kinder bauen Figuren und Modelle an Tischen, transportieren die Lehmbrocken oder klopfen faustgroße Lehmklumpen auf Mauern fest und bauen so die Bauwerke in die Höhe und verzieren die Oberflächen. Jeder kann sich an seinem gewählten Platz ausprobieren ohne ausgeschlossen zu sein. Es bilden sich je nach Anforderung wechselnde Arbeitsbündnisse über alle sozialen und Alters-Grenzen hinweg. Die Verführung zur Zusammenarbeit ist groß, da man alleine zu wenig schafft. Die Baustelle ist eine Stolzproduktionsanlage: von individuellem Stolz und von Stolz auf das in der heterogenen Gruppe gemeinsam Geschaffene. Sie stärkt gleichzeitig das Ich- und das Wir-Gefühl. Und auch wir, die Lehmbau-Crew sind nach wie vor jedes Mal aufs Neue überrascht, was für tolle
Bauten gemeinsam entstanden sind und freuen uns über die durchgehend
positive Resonanz.
Unsere eigene Begeisterung und die der Kinder ist der Motor der Projekte. Beim Abschlussfest zeigen die Kinder freudig allen eingeladenen Eltern, Freunden, Nachbarn und Passanten, die schönen Bauwerke, an denen sie mitgearbeitet haben und erhalten dafür reichlich Lob und Anerkennung von allen Seiten. Ihre Modelle, die während der Aktion in großer Zahl öffentlich ausgestellt waren, dürfen sie dann mit nach Hause nehmen. Das Projekt "Räume durch Erleben entwerfen" fördert durch die Gleichzeitigkeit von Begreifen und Gestalten im kommunikativen, kreativen Schaffensprozess die kognitiven, haptischen und sozialen Fähigkeiten.
Am eindrücklichsten wird dies in unserem 15 min. Film über eine Lehmbau-Aktion deutlich. Kinder, Eltern und die Erzieher bringen darin zum Ausdruck, welchen Spaß an der Kreativität und welch großen Gewinn für die Persönlichkeitsentwicklung das Lehmbau-Projekt für die Kinder hat, wenn zum Beispiel Alina, 5 Jahre, voller Stolz berichtet:
"Ich hatte noch nie im Leben so etwas gemacht, ...ich dachte nur, dass ich es nicht kann... aber ich kann es!", „Hier kann man machen, was man will“ oder "Es hat mir Spaß gemacht - wegen der ganzen Arbeit."
Wir ermutigen die Kinder über die gemeinsame Umsetzung ihrer Bauideen zur Mitverantwortung für die kreative Gestaltung ihrer Umwelt. Durch Partizipationserfahrungen üben die Kinder den Erwerb basaler demokratischer Handlungskompetenzen schon im frühen Kindesalter spielerisch ein. Es entsteht eine Spielkultur, die weder die Kunst noch das Spielen als Selbstzweck begreift, sondern die kreative und soziale Erfahrung zur Basis für das Wissen um selbst bestimmte Prozesse und die Veränderbarkeit von oft fremdbestimmter Realität macht: eine Kultur des Spielens als Weg zur Ausbildung von Identität und Gemeinschaft. Das Bauen mit Lehm ermöglicht fließende Übergänge zwischen, künstlerischer, handwerklicher, therapeutischer und integrativer Arbeit mit Kindern. Eine wichtige Erfahrung der Teilnehmer bei den Aktionen ist neben der Entwicklung eigener Gestaltungskompetenz auch die Überwindung von kulturellen und sozialen Grenzen.
Indem die Kinder und Jugendlichen neue Räume im gemeinsamen Erleben des Bauprozesses entwerfen, erleben sie Architektur als soziale Kunst. Wir stellen Kinder unterschiedlicher Herkunft vor eine große Herausforderung und geben ihnen Raum für ihre Fantasien. Durch die Lehmbau-Aktionen zeigen Kinder, dass sie „Großes“ leisten und ihre schöpferischen Fähigkeiten in einem gemeinsamen Schaffensprozess öffentlich unter Beweis stellen können. Sie schaffen durch ihre „Arbeit“ Räume in Erwachsenen-Dimensionen. Sie bekommen dafür die Anerkennung, die sie - besonders in benachteiligten Gebieten - für ihre Entwicklung zu verantwortungsvoll handelnden Persönlichkeiten brauchen; Kinder und Jugendliche wollen nicht zerstören, sie wollen gebraucht werden und mitgestalten. Unsere von Beteiligung lebenden Aktionen fördern vor allem über die Freude am Gestalten und durch die Integration der Menschen verschiedener Herkunft und unterschiedlicher Bildungs- und Altersstufenstufen, die persönliche Entwicklung jedes einzelnen Kindes und stärken damit zugleich Toleranz und Demokratie in unserer Gesellschaft.
Der gesamte Bauprozess wirkt Identität stärkend und Gewalt mindernd, wie LehrerInnen und ErzieherInnen uns immer wieder bestätigen. Das Lehmbau-Projekt dient der Förderung des Selbstwertgefühls und der Interaktionsfähigkeit. Es dient damit der seelischen Gesundheit der Kinder. Auftrag der Erwachsenen ist es, mit Kindern und Jugendlichen die Mitgestaltung der Zukunft einzuüben, denn im Zusammenspiel der Generationen ist es die Aufgabe der Kinder, die Welt neu zu erfinden. Dafür gibt es kein besseres Werkzeug als die Kunst.
Erfolge
Die vielschichtigen Wirkungen und die modellhafte Bedeutung dieses Projekts wurden ausgezeichnet mit
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dem Sonderpreis Kinderkultur der KroschkeStiftung für Kinder im Jahr 2003
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dem Deutschen Präventionspreis 2004, eine Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit und soziale Sicherung, der Bertelsmannstiftung und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
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dem Spielraumpreis des Deutschen Kinderhilfswerkes im Mai 2006
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einem Preis in der Kategorie ‚Kinderstadt’, Deutschen Kinderpreis 2007
Innovativ
ist die Komplexität des Projektes, das auf unterschiedlichen Gebieten modellhaft wirkt und diese miteinander verbindet. Innovativ ist das nach unserem Konzept geplante Netz periodisch bespielter Lehm-Aktionsplätze mit denen wir ein Stück vorbildlicher Bau- Spiel- und Beteiligungskultur verankern möchten, um so unser Know-how systematisch und kostenlos weiterzugeben.
Nachhaltigkeit
Wir bemühen uns sehr um die Weiterentwicklung und Vervielfältigung des Projektes. Dazu gehört die Steigerung von Umfang und Frequenz der Aktionen, die intensive Schulung neuer Anleiter, die Fortbildung für ErzieherInnen und LehrerInnen, die Erstellung eines Lehrbuches, der Ausbau des Netzwerkes von Bau-Spielplätzen, umfangreiche Investitionen in die Ausstattung, der Aufbau eines Stifter- und Sponsoren-Netzwerkes und die Einrichtung der von uns entwickelten „Lehmkisten“ als ganzjähriges und kostengünstiges Angebot für Kitas.
Budget
Pro Besuch eines Kindes oder Jugendlichen entstehen Ausgaben in Höhe von ca. 10 Euro für 2 Schulstunden, incl. Material und Honorare. Bei 2000 aktiven Teilnehmern entstehen Kosten ab 20.000 ! pro Aktion (am Standort Hamburg), die wir einwerben, um ein kostenloses Angebot zu ermöglichen.
Kooperation
Bunte Kuh e.V. kooperiert in Hamburg mit Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten und Schulen, dem Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung, der behördlichen Fortbildungsstelle für sozialpädagogische Fach- und Führungskräfte Hamburg, den Fach- und Fachhochschulen für Sozialpädagogik, mit der HafenCity Universität Hamburg, mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Med. Psychologie) und mit Kultur- und Jugendämtern. Gemeinsam mit Gartenbauämtern, dem Quartiersmanagement vor Ort, Einrichtungen der Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung, dem Netzwerk Altona in Bewegung, der LAG Kinder- und Jugendkultur, dem Hamburger Arbeitskreis der Umweltpädagogen, dem Väter e.V., Elternschulen und Behinderteneinrichtungen (Leben mit Behinderung, Blindenschule) entstehen lokale Netzwerke der kulturellen Bildung, der Bewegungs- und Gesundheitsförderung für Kinder.
Evaluation und Dokumentation
Wirksamkeitsabschätzung, Konzept- und Prozessevaluation erfolgten unter Gesichtspunkten der Gesundheitsförderung und Prävention 2007 durch das Institut für Medizische Psychologie Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und den FB Sportwissenschaften der Universität Hamburg. Das Feedback durch schriftliche Erfahrungsberichte von ErzieherInnen und LehrerInnen und Kindern wird nach jeder Aktion von Bunte Kuh e.V. ausgewertet, Anregungen und Kritik aufgenommen. Bunte Kuh e.V. erstellt nach jeder Aktion einen differenzierten Projektbericht und eine Power-Point-Präsentation. Von einigen Projekten gibt es Video-Dokumentationen.
Team und Ausstattung
Seit Jahren wird kontinuierlich ein umfangreicher Teil (50 %) der Arbeit ehrenamtlich geleistet.
Das Projektteam besteht aus 3 - 6 freien MitarbeiterInnen auf Honorarbasis: Künstler, Architekten, Bauingenieure, Keramiker, Sozialpädagogen, Filmemacher. Eine Fachkraft für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt das Team stundenweise. Als Praktikanten und Helfer unterstützen Studenten der Fachbereiche Kunst, Architektur, Stadtplanung und Sozialpädagogik, Eltern und Erzieher das Projekt. Projektleiter ist der Künstler Nepomuk Derksen.
Die technische Ausstattung (Zelt, Lehmpresse, Lehmmischung, Logistik) wurde von uns in allen Grundlagen für dieses Projekt neu entwickelt und befindet sich an der HafenCity Universität Hamburg.
Kontakt:
Bunte Kuh e.V.,
Nepomuk Derksen,
Große Brunnenstr. 75
D - 22763 Hamburg,
Tel. 040 - 39 90 54 31
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„Die schönste Aufgabe von Architektur ist es Heimat zu schaffen für Körper, Geist und Seele“
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