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Archiv der Zukunft - Netzwerk - Die Erika Mann-Schule - Mehr als nur Theater
Die Erika Mann-Schule - Mehr als nur Theater

erika_mann_schule

von Heinfried Tacke

Schulen besitzen ein Innenleben. Jede Menge Daten zum pädagogischen Konzept mögen zwar einen Eindruck vermitteln. Aber was sagt es schon darüber aus, wie Kinder sich darin fühlen? Schulzeit ist Lebenszeit. Zur Erika Mann Grundschule führt ein enger Durchgang. Dann öffnet sich eine Hinterhofoase und die Neugierde wächst.

Die Oase ist begrünt. Ein Klettergerüst, ein Bolzplatz, eine Laufbahn fallen ins Auge. Die Kinder spielen selbstvergessen. Hie und da wird gezankt, doch es bleibt vertraut. Das überrascht, denn wir befinden uns im Wedding, einem Bezirk in Berlin (wo übrigens die Grundschulzeit sechs statt der üblichen vier Jahre dauert), der eher durch Randale für Schlagzeilen sorgt. Hier aber grüßen die Kinder den Besucher und weisen ihm freundlich den Weg. So präsentiert sich auf den ersten Blick die theatertolle Schule. erika_mann_schule5

Bei der Treppe zum Sekretariat hängen Auszeichnungen an der Wand. Für die Teilnahme am Deutschen Schulpreis und auch ein lobender Brief vom Schulsenator ist darunter. Der Auftrag für das Porträt der Schule ist indes eindeutig: Der Fokus liegt darauf, die Intelligenz der Praxis aufzuspüren. Und: Wie wurde die Schule zu dem, was sie jetzt ist? Denn, so die Einsicht, keine gute Schule fällt von heute auf morgen vom Himmel. Wer durch die Schule streift, durchschreitet lange Flure. Aber sie wirken nicht so, denn sie sind durch und durch gestaltet. Das Leitthema heißt „Drachen“. So haben es Schülerinnen und Schüler in ihrem Parlament entschieden. Mit den „Baupiloten“, einer studentischen Architekturgruppe, wurde das Thema Stockwerk für Stockwerk umgesetzt. Im zweiten Stock entdeckt man Reihen von farbigen Schuppen an den Wänden. Sie sind aus einfachen Materialien hergestellt. Mit einem Seilzug klappern sie – ein nettes Spielchen. In das Ensemble integriert sind Arbeitsnischen. Eine Etage höher ist eine Spiegelgalerie errichtet, darüber hängen die Porträts von den Schülern der Schule. Wer hier durchgeht, fühlt sich im Fokus und sieht zugleich: Ich bin Teil einer größeren Gemeinschaft.

Erste Eindrücke: Eine Welt für Kinder

Die Freizeiträume geben sich dagegen schon durch ihre auffällig schräg gesetzten Türen zu erkennen. Hinter ihnen öffnen sich wundersame Welten: abstrahierte Drachengebilde als Sitzplätze mit Höhlen und Nestern zum Verstecken. Ein Treppenhaus verleitet derweil zu Klangexperimenten. Wie bei einer Harfe sind Saiten gespannt, die zum Zupfen animieren. Im ersten Stock hausen die Kleinen. Die Garderobenschränke sehen hier aus wie Säulen aus Metall, sind aber aus Stoff. Darin parken die Schuhe der Schüler. „Wir sind eine Pantoffelschule“, erklärt Schulleiterin Karin Babbe – ein Satz, der praktisch gemeint ist. Aber er klingt nach. Diese moderne Version einer pädagogisch vorbereiteten Umgebung erscheint häuslich. Der Schonraum Schule, einst bewusst als Lehranstalt vom Alltag abgetrennt, bekommt hier wieder Züge eines liebevollen Zuhauses.

„Wir sind eine Pantoffelschule“ - Programmatische Kontraste

erika_mann_schule6 Der Kontrast dieser Bemerkung zur Programmatik der Schule könnte kaum größer sein. Denn die Schule versteht sich als offene Schule im Kiez. Sie fungiert als „KinderKiezZentrum“. Von sechs Uhr in der Frühe bis um sechs am Abend steht sie den Kindern offen. Unterricht und Freizeit sind miteinander verbunden und rhythmisieren die Lernszenarien. Ein Hort ist integriert. Zudem nimmt die Schule an mehreren Projekten und Modellversuchen teil: Sie kooperiert mit einer Tandemschule, sie vergibt keine Noten, sie integriert behinderte und nicht behinderte Schüler, sie hat ein eigenes Programm zur Gewaltprävention, sie wurde als erste Schule in Deutschland in das „Internationale School Art Project“ von Unilever aufgenommen und sie ist vor allem eine theaterbetonte Grundschule. Jedes Jahr wird ein Theaterfestival veranstaltet. Jede Klasse entwickelt Jahr für Jahr ein Stück. Das Schulleben ist reich an Anregung und Abwechslung. Kaum anzunehmen, dass die Schülerinnen und Schüler hier nicht aus ihren Puschen kommen.

Lernen durch und mit Theater

Zweiter Termin: Schnuppern bei den Probenarbeiten. Das Festival steht kurz bevor. Die Stücke sind weit voran geschritten. Seit Februar stecken alle Klassen in den Proben. Das Jahresthema Energie bestimmt die Stücke. Eine fünfte Klasse hat Geschichten im Fahrstuhl entwickelt. Stark wirkt die Choreografie des Fahrstuhlgetriebes. Rhythmisch ächzt das Räderwerk. Man erkennt: Dahinter steckt die geschulte Erfahrung, den Körper bildhaft einzusetzen. Aber die Schüler erhalten auch von der ersten Klasse an Rhythmikunterricht. Daneben laufen die Episoden im Fahrstuhl ab: Alltägliches, dem Leben abgeschaut. Die Texte stammen allesamt aus der Feder der Schüler. Und wie bei allen Inszenierungen der Schule gilt das Prinzip: Alle Schüler sind immer auf der Bühne. Das hat Methode, denn so ist jeder zu jeder Zeit wichtig für das Stück. Zwei Erzähler moderieren die Sequenzen – ein Kunstgriff des epischen Theaters, den auch Bertold Brecht verwandte. erika_mann_schule3

An diesem Tag schauen andere Klassen den Proben zu. Nach der Vorführung gibt es Applaus und eine Runde Feedback. Auch das wirkt erfahren. Die jüngeren Mitschüler sagen den älteren Akteuren wie selbstverständlich, was ihnen gefiel und weisen auf die Stellen hin, wo Fragen bleiben. So geben sie letzte Tipps zur Verbesserung. Dieser Austausch ist von der Atmosphäre geprägt: Man kennt selbst das Bibbern vor einer Aufführung und Hinweise von außen helfen, die eigene Rolle besser wahrzunehmen.

Ein Festival als krönender Abschluss

Vom 7. bis 11. Juni geht schließlich das Theaterfestival der Schule über die Rampe. Die Schule kooperiert mit einem professionellen Theater: Der Schaubude. Dort werden alle erarbeiteten Stücke an vier Tagen gezeigt. Das Spektrum ist vielfältig: Eigenproduktionen wie die Gangstory „Aufregung im Kiez“, aber auch Bearbeitungen von Märchen. König Drosselbart mutiert hier zur symbolträchtigen Geschichte vom eigenwilligen Mädchen. „Ich glotz TV“ zeigt anschaulich, wie zu viel Fernsehen die eigenen Energien lahmlegt. Jeden Tag füllt sich der Saal bis auf den letzten Platz. Eltern und Kinder der Schule sind da, aber es kommen auch andere Berliner Schulen.

Mit dem Stück „Eisbär, Dr. Ping und die Freunde der Erde“ bringt Uta Klotz, eine der fünf Theaterpädagoginnen der Schule, sogar eine Welturaufführung heraus. Die Vorlage ist ein Musical, das vom BUND, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, als Hörspiel produziert wurde. Pointiert im Spiel bringen die Akteure der sechsten Klasse die Story über globale Zusammenhänge der Klimaerwärmung herüber. Sie rappen, tanzen und stimmen Soli an. Den Chor der Freunde der Erde singt eine dritte Klasse. Die Melodien reißen auch Erwachsene mit. Und spätestens, wenn die Zuschauer die „Lizenz zum Ausschalten“ in die Hände gedrückt bekommen, verfehlt das Stück nicht seine Wirkung. Nun ist jeder selbst gefordert, den Stromfressern ein Ende zu bereiten.

Die Individualität des Kindes steht im Mittelpunkt

erika_mann_schule2Der Fokus auf das Theaterspielen dient der Schule als pädagogischer Kniff. Es hilft nicht nur, den Spracherwerb und -gebrauch zu fördern, denn die meisten Schüler kommen mit Migrationshintergrund in die Schule. Noch mehr spiegelt es den Ethos der Schule: Sie will die Individualität der Kinder fördern. Und sie möchte, dass sie sich als Könner erleben und eine gemeinschaftliche Solidarität erfahren. „Deshalb spielen wir Theater“, heißt es knapp in den Leitzielen der Grundschule.

Die theaterbetonte Arbeit wirkt sich sichtlich aus. Man spürt die Ernsthaftigkeit bei den Proben und die kindliche Lust am Rollenspiel. Es ist ein gemeinschaftliches und lebendiges Lernen im Wechsel zum Unterricht. Der Unterricht profitiert davon. Die Themen der Stücke und die Lerneinheiten greifen ineinander. Und die Methodenvielfalt des Theaters setzt sich im Unterricht fort. Beispiel Frühenglisch. Ramona Schulz, die Lehrerin der vierten Klasse, beginnt mit englischen Liedern, die von den Kindern nicht nur mitgesungen, sondern auch in Gesten umgesetzt werden. Zahlen, Wochentage, Tiere und Farben verinnerlichen sie somit spielerisch.

Lernprinzipien: selbstbestimmt, differenziert und integrativ

Selbstbestimmtes, aktives Lernen und Binnendifferenzierung geben generell den Ton im Unterricht der Erika Mann Grundschule an. Auch während der Unterrichtszeiten entdeckt man viele Schüler auf den Gängen. Sie arbeiten in den Nischen an Arbeitsblättern, gehen Recherchen am Computer nach oder bereiten Präsentationen vor. Lesepaten unterstützen Schüler. In der integrierten Schulanfangsphase (ISA) helfen Sonderpädagogen mit, denn in fast all diesen Klassen sind Kinder mit Behinderungen aufgenommen worden. Oft sind die Stunden doppelt besetzt. Es gibt Lernassistenten und die Pädagoginnen des Kiezzentrums gehen ebenfalls mit in den Unterricht. Bedingungen, die das garantieren, was die Schule programmatisch verspricht: Jedes Kind dort abzuholen, wo es in seinem Können steht.

Ein Trüffelschwein und viele Mitstreiter

Nach mehreren Besuchen und vielen Eindrücken steht das Resümee an. Wie also wurde die Schule zu dem, was sie nun ist? Karin Babbe, die Schulleiterin, erinnert sich an ihren Start in der Schule: „Als ich 1996 die Leitung übernahm, kam ich mit festen Vorstellungen. Da gab es allerdings schnell ein Stopp vom Kollegium. Aber wir waren uns einig, was wir machen wollten. Und das hieß: Mit Theater arbeiten. Und wir wollten eine gute Schule für jedes Kind sein.“ Lehrerin Maren Loeppke ergänzt: „Auch vor diesem Wechsel war nichts unmöglich, wenn man Ideen hatte. Der einzige Unterschied war: Man erhielt dafür keine Unterstützung. Jetzt wird vieles zusammen entwickelt.“ erika_mann_schule4

Diese Lust, der Schule mehr und mehr ein Gesicht zu geben, ist mit der Schulleiterin verbunden. Sie sagt von sich selbst: „Ich habe großen Spaß daran, Schule zu gestalten. Darin lag meine Motivation Schulleiterin zu werden.“ Von ihren Kollegen wird sie als Trüffelschwein beschrieben. Jemand der aufstöbert, genau hinschaut und hinhört. Dafür findet sie viele „Kollegenschätze“ um sich herum. Was folgte, war ein Prozess, der „die Spreu vom Weizen trennte. Wer nicht mitmachen wollte, ist mit der Zeit gegangen. Und es sind Kollegen nachgerückt, die unser Konzept mittragen“, so der stellvertretende Schulleiter Klaus Gröger.

Hohe Diagnosekompetenz: Eine Schule in Bewegung

In der gemeinsamen Rückschau wird schnell klar: Die Entwicklung hat viele verschiedene Schritte gebraucht. Die Schule wurde geteilt, die Schülerzahl verringert. Das Kiezzentrum kam hinzu und peu à peu Projekt für Projekt. Doch man schielte nicht auf Geldtöpfe. „Zuerst waren immer die Ideen. Dann erst haben wir geguckt, wie sie sich realisieren lassen“, betont Babbe ausdrücklich. Dieses Wachsen wird als „dauernde Bewegung“ verstanden. „Denn die Kinder und die Gesellschaft verändern sich. Darauf müssen wir reagieren. Ich glaube, wir haben hier eine hohe Diagnosekompetenz, individuell für die Kinder, aber auch für das Ganze der Schule“, findet Theaterpädagogin Klotz.

Das Ergebnis heißt: Eine Schule, die das Besondere eines jeden Kindes zu entfalten sucht. Dazu gehört auch das Besondere der besonderen Kinder. Dafür greift man zu den Mitteln des Theaters. Aber wer die Schule erlebt, der merkt schnell: Es ist mehr als nur Theater. Der Clou dieser Schule ist eine gekonnt inszenierte lernende Lebenszeit. Die Lösung dafür erscheint recht simpel. In dieser Schule verstehen sich alle als Pädagogen. Fotos: Erika Mann-Grundschule