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Archiv der Zukunft - Netzwerk - Die Waldhofschule Templin: Eine Schule wirklich für alle
Die Waldhofschule Templin: Eine Schule wirklich für alle

Christina Birkner sprach mit Schulleiter Wilfried Steinert und gibt einen kurzen Überblick

Waldhofschule Templin Normalerweise werden Schüler mit Förderbedarf in Deutschland in sonderpädagogischen Einrichtungen gefördert und selten in Regelschulen integriert.
Normalerweise arbeiten Kindertagesstätten und Schulen unverbunden nebeneinander her.
Normalerweise
blicken deutsche Schulleute erlösungsbedürftig auf andere Länder. Viele würden am liebsten nach Finnland auswandern.
Normalerweise, normalerweise, normalerweise … Nicht normal zu sein, ist in der Waldhofschule Templin die Regel. Und so verwundert es auch nicht, dass hier ungewöhnliche Konzeptionen erdacht werden. In eine Förderschule für geistig Behinderte eine Regelschule zu integrieren ist in Deutschland so ziemlich das genaue Gegenteil von normal.

Seit 2003 öffnete die integrative Waldhofschule im brandenburgischen Templin ihre Türen für 230 Schüler mit und ohne Förderbedarf. Behinderte und nicht behinderte Kinder lernen gemeinsam in altersübergreifenden Gruppen. Das Mischungsverhältnis ist halbe-halbe.

Diese Schule ist eine Einrichtung des evangelischen Bildungsträgers Stephanus-Stiftung. Sie gehört zu den zehn Schulen, die für den Deutschen Schulpreis 2007 nominiert wurden. In der Schule und dem sie umgebenden Netzwerk „Bildung für alle“ wird ein umfassendes Erziehungs- und Bildungsangebot für Kinder ab 2 Jahren angeboten. Es versucht jedes Kind auf die ihm angemessene, je individuelle Weise zu fördern. Zwischen der integrativen Kindertagesstätte und der Grundschule werden Übergänge geschaffen. Brüche sollen vermieden werden. Zum Netzwerk gehören Frühförderung und Beratung, eine integrative Kita und die derzeit sechs Jahrgänge umfassende integrative Grundschule.

Inzwischen kommen Besuchergruppen aus Finnland nach Brandenburg, um von der Waldhofschule Templin zu lernen.


Wilfried SteinertHerr Steinert, wie sind Sie darauf gekommen, die Integrationsrichtung einfach umzudrehen, also eine Förderschule für geistig Behinderte zu einer Regelschule auszuweiten?

Schon in den neunziger Jahren habe ich als Bildungsreferent der evangelischen Kirche für einen gleichberechtigten Religionsunterricht gekämpft. Und auch in meiner späteren Funktion als Vorsitzender des Bundeselternrats habe ich mich für „eine Schule für alle“ engagiert. Überall werden Kinder noch immer in Schulformen abgeschoben, in denen sie keine wirkliche Chance zur Teilhabe bekommen. Das wollte ich nicht mehr mitverantworten. Ich habe nach Konzepten geforscht, die Integration ermöglichen.

Wie sind heute Bildungschancen für geistig Behinderte? Welche Erfahrungen haben Sie persönlich gemacht?

Die Erfahrungen vergangener Jahre zeigen, dass die Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen häufig fehlschlägt. Man wird dort den individuellen Förderbedürfnissen nicht gerecht. Es fehlt an sonderpädagogischen Kompetenzen in den Grundschulen. Kommen dann ein oder zwei behinderte Kinder in eine Regelschulklasse, geraten sie zumeist ins Abseits. Nicht selten kamen solche Kinder mit weiteren Verhaltensauffälligkeiten an unsere Förderschule zurück. Wertvolle Zeit war ungenutzt geblieben. Lernen aber kann jedes Kind. Jedes Kind optimal zu fördern, um ihm die bestmöglichste Lebensperspektive zu eröffnen, sehen wir als unsere Aufgabe an, als Christen, Menschen und Pädagogen. Wir müssen diese Kinder in einer integrierenden Lebens- und Erfahrungswelt wertschätzen.

Gut, das ist der Anspruch, aber wie machen sie es?

18 Kinder gehen in eine Klasse. Davon hat die Hälfte einen diagnostizierten Förderbedarf. Die andere Hälfte sind Regelschüler. Das Mischungsverhältnis von 50 zu 50 ist wichtig. Denn so wird es als ganz normal erlebt, dass nicht alle Kinder „normal“ sind. Das fällt dann im Schulalltag gar nicht mehr auf. Es entsteht dabei ein weiterer Vorteil - die Heterogenität der Lerngruppen. Die Lernatmosphäre, das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, ist in gemischten Klassen viel förderlicher als in reinen Behindertengruppen.

Woran liegt das?

Der Anreiz etwas nachzumachen, es selbst können zu wollen ist der Grund. Heterogenität in Lerngruppen fördert soziale Kompetenzen. Das wissen wir spätestens seit Pisa. Der Stärkere hilft dem Schwächeren. Die Kinder lernen gemeinsam, voneinander und doch auch wieder jeder für sich. Kinder lernen, indem sie ihr Wissen weitergeben. Selbstgesteuertes Lernen heißt, etwas erforschen zu dürfen, neugierig zu sein und es auch bleiben zu dürfen. Das gilt für Behinderte wie für Nichtbehinderte gleichermaßen.

Dass die geistig Behinderten motiviert werden, von den Nichtbehinderten lernen zu wollen, leuchtet ein,- aber wie sieht es mit den Nichtbehinderten aus? Lernen sie bei Ihnen genauso viel wie an einer Regelschule?

Sogar noch mehr! Ich kenne diese Bedenken. Es sind genau die Fragen, die Eltern häufig stellen. Ja, die Kinder lernen sogar viel mehr. Wenn sie den Schwächeren helfen, den Lernstoff zu verstehen, vertiefen sie ihn beim Erklären. Dabei gewinnen sie auch soziale Kompetenzen. Das zeigt sich auch daran, dass unsere Regelschüler in den Brandenburger Vergleichsarbeiten im Lesen und Rechnen deutlich über dem Landesschnitt liegen

Waldhofschule Templin Was bedeutet diese Art Schule zu machen für Lehrer?

In jeder Klasse arbeiten zwei Lehrkräfte. Sie unterrichten im Team. So organisieren und unterstützen sie individuelle, selbstgesteuerte Lernprozesse und spornen die Kinder an. Sie erlauben das Lernen.

Sie erlauben den Kindern das Lernen?

Ja, die wichtigste Erfahrung, die wir Lehrer machen müssen, ist die Kinder machen zu lassen. Kinder finden manchmal selbst mehr heraus, als ein Lehrer weiß. Wenn Schüler die Erfahrung machen dürfen, dass sie durch ihre selbstgesteuerte Arbeit mehr oder anderes Wissen erlangen können als der Lehrer hat und wenn der Lehrer dieses akzeptiert, dann ergibt das Motivation. Dieses gilt ganz besonders für die Regelschüler. Manchmal sind Kinder füreinander die besseren Lehrer.

Wie meinen sie das?

Ich gebe ihnen ein Beispiel. Letzte Woche sollten in Kleingruppen Vorträge zu dem Thema „Hünengräber“ vorbereitet werden. In einer Gruppe gelang einem Schüler mit schwerer ADS etwas, was uns Erwachsen oft nicht gelingt. Er hat es geschafft, dass die beiden anderen geistigbehinderten Schülerinnen dieser Gruppe auch etwas zum Thema beigetragen haben. Dieses wurde von der ganzen Klasse begeistert mit spontanem Applaus honoriert. Für den Schüler war das ein ungeheures Erfolgserlebnis.

Verlangt die große Verschiedenheit nicht eine ganz andere Förderung?

Ja, zum Beispiel in Form von Lernberichten, Bildungsberichten und Entwicklungsberichten. Das ist bei uns ein Schwerpunkt. In Zusammenarbeit mit den Eltern werden diese Entwicklungspläne besprochen und weiterentwickelt. So lernen die Kinder ihre eigenen Lernfortschritte einzuschätzen und zu dokumentieren.

Wie haben sie mit dieser Kombination von Förder- und Regelschule begonnen?

Am Anfang standen die von der Pisa-Studie benannten Mängel. Wir haben für unsere Schule nach Antworten gesucht. Wir haben überlegt, was können wir konkret verbessern? Und da gab es viel. Wir haben uns finnische Schulkonzepte angesehen und mit dem sonderpädagogischen Institut der Universität Potsdam und Leipzig zusammen gearbeitet. Nach einjähriger sorgfältiger Analyse haben wir dann ein Konzept erstellt und seitdem wird bei uns alles anders.

Was hat sich am Tagesablauf geändert?

Die Schule ist ganztägig und die Zeit ist rhythmisiert. Verschiedene Pädagogen, also Grundschullehrer, Sonderschullehrer und Erzieher konzipierten den handlungsorientierten Unterricht, das gemeinsame Essen, die Freizeit, Projekte und AGs. Mit 35 Stunden haben die Lehrer eine hohe Präsenzzeit. Das hat den Vorteil, dass die Lehrer in der Schule sind, wenn auch die Kinder da sind.

Sie geben also nicht 35 Stunden Unterricht?

28 Stunden sind Aktivzeit mit den Kindern und 7 Stunden Vorbereitungszeit. In der Präsenzzeit von 8-15 Uhr werden die Kinder von den Lehrern betreut. Die hohe Zahl von Schülern mit Förderbedarf erlaubt uns, bei einer Klassenstärke von 18 Kindern mit mindestens 2 Pädagogen zu unterrichten. Noten werden übrigens erst ab Klasse 5 gegeben. Und die Schulleitung wird nach modernen Managementmethoden von einer dreiköpfigen Schulleitung geführt. Jeder hat eigenständig zu verantwortende Zuständigkeitsbereiche.

Ist dieses Konzept auf andere Schulen übertragbar?

Ja, wir haben sogar schon Besucher aus Finnland gehabt, die von dieser Form der Integration lernen wollten. Im Übrigen wird die Arbeit und Konzeptentwicklung in der Waldhofschule wissenschaftlich begleitet.

Die Integration beginnt bei ihnen nicht erst mit der Schule.

Auf den Anfang kommt es an! Mit dem Netzwerk „Bildung für alle“ gelingt der behutsame Übergang von der integrativen Kindertagesstätte in die Schule. Wir arbeiten eng zusammen. In der Kita haben wir eine Lernwelt eingerichtet, die den Kindern eigenständiges Entdecken und Experimentieren erlaubt. Wir wollen die natürliche Neugierde der Kinder erhalten. Statt der klassischen Vorschulerziehung soll den Kindern die Möglichkeit gegeben werden, Lern- und Forschungsstrategien zu entwickeln, die ihrem eigenen Lernrhythmus entsprechen. Dabei wird auch eine Kultur im Umgang mit Fehlern entwickelt, denn das sind wichtige Erfahrungen auf dem Wege zu neuen Einsichten und Erkenntnissen.

Gibt es da auch schon Kontakte zur Schule?

Ja. Die Kinder im letzten Kindergartenjahr haben eine Partnerklasse und kommen an zwei Tagen pro Woche in die Schule. Sie machen mit den Schülern gemeinsame Projekte, sie lernen zusammen und vertiefen damit schon erworbene Kompetenzen. Damit erfahren die Kinder, was in der Schule eigentlich erwartet wird. Sie wachsen dort hinein, ohne das plötzlich bei Schuleintritt alles neu wird. Es geht um einen behutsamen Übergang vom Kindergarten zur Schule.

Was heißt das für die Kinder?

Bei uns werden die Kinder möglichst in ihrem Freundeskreis belassen. Wir wollen Brüche vermeiden. Und auch deshalb geht unserer Einschulungsfeier eine mehrtägige Kennenlernfahrt voraus. Und schon dabei erfahren die Schulanfänger unsere Schulphilosophie.

Die lautet?

Wir brauchen alle, wir bleiben zusammen, niemand bleibt zurück, niemand wird beschämt!