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Archiv der Zukunft - Netzwerk - Deutscher Schulpreis: Die Sieger 2007
Deutscher Schulpreis: Die Sieger 2007

Deutscher Schulpreis 2007 In Berlin sind die Gewinner des Deutschen Schulpreises 2007 ausgezeichnet worden. Hauptpreisträger ist ...

... die Robert-Bosch-Gesamtschule, Integrierte Gesamtschule in Hildesheim (Website).
Die weiteren vier Preisträger:

In den nächsten Tagen veröffentlichen wir hier auf www.adz-netzwerk.de weitere Texte und Filme zu den Preisträgern aus Potsdam und Wiesbaden, ein Porträt der Siegerschule aus Hildesheim sowie Gespräche mit den Schulleitern der Schulen aus Berlin und Marbach.

Den Auftakt macht ein Text von Reinhard Kahl über die neuen Schulpreisträger für DIE ZEIT vom 13.12.2007:

Die Musterschüler

Es sah nicht gut aus für die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, damals in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Schule war noch ein Gymnasium und hatte die oberen Jahrgänge an ein Oberstufenzentrum verloren. Zu wenige Kinder wurden angemeldet. Lehrer unterrichteten vor sich hin. Dann kam eine neue Schulleiterin. Enja Riegel versuchte mit einigen Lehrern einen Neuanfang. Weil im Haus Platz war, kamen sie auf die verwegene Idee, die Wände zwischen dem Flur und einigen Klassenzimmern einzureißen. Sie fragten nicht lange, ob das erlaubt ist. Sie fingen einfach an. So entstand ein neuartiger Raum, der Schülertreff.

Das war der Anfang einer pädagogischen Kettenreaktion. Aus Fluren wurden allmählich Zwischenräume. Heute sieht man dort Arbeitsgruppen, Projektarbeiten, Theaterproben oder einen Aufgabenparcours. In Pausen stehen Schüler zusammen, auch mit Lehrern. Diese Zwischenräume sind die Herzkammern der Schule geworden. Um sie herum wurden Reviere jeweils für einen Altersjahrgang mit vier Parallelklassen geschaffen. Auch die Lehrer haben dort für ihr Team einen eigenen Raum. Das Team regelt vieles selbst. Zum Beispiel wurde überlegt, ob Lehrer auch mal fachfremd unterrichten sollten, damit das Minikollegium von acht oder neun Lehrern mit seinem Stundenplan hinkommt. Dabei zeigte sich, dass Schüler vieles besser verstehen, wenn etwa ein Nichtmathematiker, der Interesse an dem Fach hat, in Kooperation mit einem Fachlehrer zuweilen die Formeln erklärt.

Die Lehrer fürchteten die Kritik ihrer Kollegen

Das Wändeeinreißen in Wiesbaden ist eine Urszene, von der jede der eigenwilligen Schulen berichten kann, die am Montag aus der Hand von Bundesbildungsministerin Annette Schavan den Deutschen Schulpreis erhielten. Die diesjährigen Preisträger sind neben der Helene-Lange-Schule, die im Zuge ihrer Erneuerung vom Gymnasium zur Gesamtschule konvertiert ist, zwei weitere Gesamtschulen, die staatliche Montessori-Oberschule in Potsdam und die Robert-Bosch-Schule in Hildesheim. Ebenfalls ausgezeichnet wurden das Schiller-Gymnasium in Marbach und die Carl-von-Linné-Schule, eine hervorragende Förderschule für Körperbehinderte in Berlin.

Aus den fünf Schulen wird die Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim besonders hervorgehoben und als Nummer eins mit 50.000 Euro belohnt. Die anderen vier Schulen werden in keine Rangfolge gebracht und erhalten 10.000 Euro. Beinahe wäre die Robert-Bosch-Schule aufgrund ihres Namens leer ausgegangen, denn man könnte ja auf falsche Gedanken kommen, weil der Preis unter anderem von der Robert Bosch Stiftung vergeben wird (Kasten). Aber die Namensgleichheit von Schule und Stiftung ist Zufall.

Auch die Lehrer der Robert-Bosch-Gesamtschule haben sich aus eigener Kraft aus einer Krise befreit. Die Kurve der Anmeldezahlen gleicht einer Fieberkurve. Von stolzen 450 Bewerbern Anfang der siebziger Jahre sank das Interesse der Eltern und Kinder in Hildesheim innerhalb von zehn Jahren auf 93 Bewerber. In diesem Jahr wollten wieder 359 Kinder auf einen der 180 Plätze.

Was ist passiert? Nach der Agonie der Reformruine Gesamtschule haben die Lehrer ihre Schule erneuert. Sie haben sich vom pädagogischen Einzelkämpfer verabschiedet und verbreiten mit ihrer Zusammenarbeit einen Schwung, der im Alltag des Unterrichts zu spüren ist.

85 der 103 Lehrer dieser Schule nehmen an sogenannten Hospitationsringen teil. Sie besuchen sich gegenseitig im Unterricht, kooperieren bei der Vorbereitung und genießen die Vorteile der Arbeitsteilung. Wie die Lehrer der Helene-Lange-Schule haben sie Jahrgangsteams gebildet. Jedes Team fährt in den Sommerferien drei Tage in Klausur und stellt seinen Jahresplan auf. Die Themen der Fächer werden so koordiniert, dass sie zusammenpassen, wenn möglich verschmelzen sie zeitweise zu Projekten. Das sind Zeiten größter Intensität. »Das alles«, sagt Wilfried Kretschmer, der stolze Schulleiter, »geht nur, wenn die Teams es selbst machen.« Denn eine gute Schule könne nun mal nicht von oben verordnet werden.

Aber die Leitung, so Kretschmer, müsse auch helfen, das Wichtige von allem anderen, was auch noch möglich wäre, zu unterscheiden. Im Laufe der zweiten, der selbst gemachten Reform dieser Gesamtschule, die in den neunziger Jahren begann, hatten sich zeitweilig 20 Baustellen mit den unterschiedlichsten Reformprojekten angesammelt. »Dann haben wir 15 Baustellen geschlossen«, erinnert sich der Schulleiter. Ins Zentrum wurde die Zusammenarbeit der Lehrer gestellt. Wie sollen Schüler auch kooperieren, begeistert sein und lernen, wenn es ihnen die Lehrer nicht vormachen?

Aber Lehrer schreckten schon davor zurück, sich gegenseitig im Unterricht zu besuchen und sich dem kritischen Blick der Kollegen auszusetzen. »Man kann sich doch von anderen nur beobachten lassen, wenn man Vertrauen zu ihnen hat«, sagt Kretschmer. Zu vertrauen haben Lehrer irgendwie nicht gelernt. Vertrauen zu schaffen wurde für den Schulleiter nun das Allerwichtigste. Er nimmt in Kauf, dass 18 der 103 Lehrer nicht mitmachen. »Das ist besser, als wenn sie nur so tun, als ob sie mitmachten.«
Warum erwarten Lehrer von ihren Kollegen eher Herabsetzung und Destruktion als Anerkennung und konstruktive Vorschläge? »Weil sie es gewohnt sind, immer nur zu belehren«, sagt Ulrike Kegler, die in Potsdam aus der Karl-Liebknecht-Oberschule die staatliche Montessori-Gesamtschule gemacht hat. Sie nimmt nicht zum ersten Mal einen Preis für ihre Schule entgegen (ZEIT Nr. 20/03). Auch an dieser Schule haben die Lehrer und die Schulleiterin bei sich selbst mit dem begonnen, was sie von den Schülern erwarten. Große Reden von Feiglingen über die Tugend, mutig zu sein, kommen nicht gut an, schon gar nicht bei Schülern in der Pubertät.

Als die Schüler der zehnten Klassen in der Inszenierung »Labyrinth des Wissens« ihre Jahresprojekte der Schulöffentlichkeit präsentierten, kamen der Schulleiterin die Tränen. »Unglaublich, was diese Schüler alles können.« Einer hatte ein Windrad auf dem Schulhof aufgebaut. Ein anderer hatte minutiös die Befestigung einer römischen Straße nachgebaut. Ein Mädchen hatte in einer Toilette eine Installation über Bulimie eingerichtet. »Von 42 Schülern der zehnten Klassen haben uns 37 überrascht.« Fünf hatten nur Dienst nach Vorschrift gemacht und in den Tagen vor der Präsentation eben noch was mit den Eltern zusammengeschustert.

Diese Schule ist voll solcher Geschichten. Das zeichnet gelungene Schulen aus. Sie haben eine Biografie. Sie sind institutionelle Individuen. Und nur Individuen können lernen. Alle diese Schulen sind anders, und doch sind sie verwandt.

Auch die Carl-von-Linné-Schule für körperbehinderte Kinder ist ein ganz eigenes Lernuniversum. In diese Schule kommen Kinder mit seltenen Krankheiten, Kinder, die ihre Schulzeit vielleicht nicht überleben werden, oder Kinder nach schweren Unfällen. Nicht wenige sind mehrfach behindert. Diese Schule kann gar nicht nach Schema F arbeiten. Die Verschiedenheit von Menschen kann hier niemand übersehen. Und doch wird dort kein Kind als Träger nur von Defiziten gesehen. »Wir gehen immer von den Stärken der Kinder aus«, sagt Schulleiter Peter Friedsam. »Jeder hat Stärken, an denen sich anknüpfen lässt.« Ein schwerer Legastheniker, gibt er zu bedenken, werde doch ohnehin keinen Beruf suchen, bei dem es vor allem aufs Schreiben ankomme. »Warum nur behandelt die übliche Schule alle Kinder gleich?«

Die besseren Schüler betreuen die schlechteren

Diese Frage treibt auch Günter Offermann, den Schulleiter des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Marbach. Eine Schule, in der kein Schüler mehr sitzen bleibt, außer er will das Jahr wiederholen. »Alle kommen ans Ziel«, sagt er stolz.

Wie geht das? Es gibt Klassen für Hochbegabte und Sommerkurse für die Schwächeren, die vor allem von Schülern betrieben werden. Auch über das Jahr gibt es das Schülertutorium. »Die besseren Schüler betreuen die schlechteren, und um die Tutoren kümmern sich die Lehrer.« Auch ein Gymnasium kann ein Netzwerk des Lernens werden – nicht ein Stundenplan der Belehrung. Das bedeutet Kleinarbeit. Schon nach ein paar Wochen des neuen Schuljahres spricht die Klassenkonferenz über Schüler, die mehr Aufmerksamkeit und Hilfe brauchen. An der Schule wurde der Diagnose- und Therapielehrer erfunden. Wenn man den Schulleiter reden hört, wird klar, dass es für eine gute Schule Ideen braucht, Methoden, aber vor allem die Beseelung.

Offermann ist fest davon überzeugt, dass »jeder, der bei uns anheuert, auch ankommt«. Aber es gibt auch an diesem Gymnasium viele unterschiedliche Passagen. Neuerdings zum Beispiel auch Chinesisch als zweite Fremdsprache. Ein Techniklabor, das seinesgleichen sucht, wird gerade aufgebaut. »Man muss eben die Schule so konstruieren, dass sich der Erfolg zwangsläufig ergibt«, sagt der Rektor des Gymnasiums. Und nachdenklich fügt er hinzu: »Vorsicht mit Prophezeiungen darüber, was ein Schüler kann oder nicht. Die meisten Propheten behalten nicht recht.«


Das Labyrinth des Wissen an der Montessori-Gesamtschule Potsdan.
Aus: „Wir können auch anders“ von Reinhard Kahl, Archiv der Zukunft