Arenen-Kompass A: Theater & Co
von Icon Mitgliederbereich Reinhard Kahl

Hartmut von Hentig meinte einmal, seine Traumschule hätte keine Fächer, sondern nur zwei große Bereiche: Science und Theater. Aber so weit ist es noch nicht und für manche wird diese Schule auch nie ihr Ziel sein.

Fest steht, dass in all den Schulen, die dem Theater Raum und Zeit geben, Erfahrungen gemacht werden, für die im üblichen Unterricht gewöhnlich kaum Platz ist: Lange Handlungs- und Aufmerksamkeitsbögen; kleine Dinge wichtig nehmen und häufig wiederholen, also üben; sich gut artikulieren und von der Sprache erfüllt sein; erleben was es heißt einen Körper zu haben und sogar einer zu sein; Texte erfinden und Texte interpretieren; in Rollen schlüpfen und sich dabei in andere Personen verwandeln; ganz wach und gegenwärtig sein; mit anderen zusammen spielen; schließlich Disziplin.

In den Biographien vieler erfolgreicher Schulen spielt das Theater eine wichtige Rolle. Manchmal wurde es zur Hefe der Schulentwicklung. Berühmt ist die Geschichte der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden. Dort begann die Veränderung der Schule mit Theaterprojekten, die über mehrere Wochen gingen. Dem Fachunterricht fehlte diese Zeit, aber am Ende gab es eine unerwartete Ernte: die Fachleistungen wurden besser. In der Erika-Mann-Grundschule im Wedding und in der Spreewaldschule im benachbarten Schöneberg, zwei Berliner Schulen mit vielen Kindern aus Einwandererfamilien, wurde Theater zum Hauptfach für Sprache und Leben. In Vergleichsarbeiten stehen die Schulen gut da.

Und manche Theater-AG, die den Rest der Schule unberührt ließ, führt dazu, dass Jugendliche anschließend sagen: „Noch nie war ich so sehr bei mir selbst wie auf der Bühne."