Ehrenamtliche Lesepaten für Schulen
von icon_login Sybille Volkholz

Das Bürgernetzwerk-Bildung des VBKI: Ehrenamtliche Lesepaten für Schulen in schwieriger Lage

vbki-logo Der VBKI hat im Januar 2005 das „Bürgernetzwerk Bildung" aus der Taufe gehoben. Mit dieser Initiative will der VBKI das bürgerschaftliche Engagement in Berlin stärken, die Berliner Schulen unterstützen und dazu beitragen, dass Berliner Schüler und Schülerinnen zu besseren Leistungen kommen. Der VBKI will ehrenamtliche Helfer finden, die mit Kindern lesen. Mit der Leseförderung kann nicht früh genug angefangen werden.

Im Februar 05 startete das Bürgernetzwerk Bildung mit Lesepaten an fünf Pilotschulen, der Spreewald-Grundschule in Schöneberg, der Heinrich-Zille-Grundschule in Kreuzberg, der Rixdorfer-Grund-schule in Neukölln, der Wartburg-Schule in Moabit sowie der Wedding-Grundschule.

Im August 2007 sind 114 Grund- und Sonderschulen mit mehr als 1600 Lesepaten versorgt worden. Das Projekt wird jetzt auf Kindertagesstätten ausgeweitet und startet auch mit einer Pilotphase in Hauptschulen.

Voraussetzung ist, dass die Schulen oder Kitas sich in sozial schwierigen Regionen befinden.

Die bisherigen Erfahrungen sowohl der Schulen wie der Lesepaten sind so positiv, dass sie zum Nachmachen einladen:

Leitfaden zur Organisation von Lesepaten Lesehelfern und -helferinnen

Klärung der Ausgangslage in der jeweiligen Region:

Es gibt einen großen Anteil (ca 25 %) an Kindern und Jugendlichen mit erheblichen Defiziten in der Lesekompetenz und es besteht eine hohe Korrelation zwischen dem elterlichen Bildungshintergrund und dem Schulerfolg ihrer Kinder - höher als zwischen dem Einkommen und dem Schulerfolg.
Den fehlenden familiären Unterstützungshintergrund gleicht die Schule in Deutschland nicht aus, teilweise verstärkt sie den Effekt noch.

Hier müssen sowohl die Schulen wie auch die Bildungspolitik nach besseren Strategien suchen. Allerdings werden für diese Kinder zusätzliche Hilfen benötigt, die sich um den zumindest teilweisen Ausgleich für die familiären Defizite bemühen.

Auf der anderen Seite gibt es einen zunehmenden Anteil von Erwachsenen, jungen Alten (Rentnern und Pensionären), die über ein hohes Maß an Qualifikation verfügen, über Zeit und Bereitschaft sich zu engagieren.

Diese beiden Seiten, Bedarf und Angebot, zueinander zu bringen ist die Aufgabe des Bürgernetzwerks Bildung des VBKI.

Es gilt, die Bürgerinnen und Bürger zu finden, die zu freiwilligem Engagement in Schulen bereit sind und die Schulen, die sich für ehrenamtliche Unterstützung ihrer Schülerinnen und Schüler öffnen.

Festlegung des Schwerpunkts des Projektes.

Das Bürgernetzwerk Bildung des VBKI hat sich zu Beginn des Projektes auf den Schwerpunkt „Lesen in der Grundschule" konzentriert. Da die Lesepaten über vielfältige Kompetenzen verfügen, setzen die Schulen sie auch häufig zur Förderung in weiteren Fächern ein. Nach einer Erfahrungsphase von gut zwei Jahren und aufgrund der hohen Nachfrage wird das Projekt jetzt auf Sonderschulen, Hauptschulen und Kindertagesstätten ausgedehnt.

Ansprache weniger Pilotschulen, von denen eine Bereitschaft zur Kooperation mit Lesepaten erwartet wird.

Anwerbung von Lesepaten Lesehelfern und -helferinnen

in einem eigenen Verteiler, z.B. Rundbrief an die Mitglieder des VBKI oder anderer bekannter Personenkreise

Erstellung eines Werbeflyers für das Projekt

Kontaktaufnahme mit den Lesepaten, die sich melden. Als Voraussetzungen werden Verbindlichkeit im Einsatz gefordert, d.h. eine Festlegung für ein Jahr und verbindliche Wahrnehmung zugesagter Termine.

Die Anwerbung der Lesepaten erfolgt zum allergrößten Teil über die Berichterstattung in der Presse.

Information an die Presse

Eine regelmäßige Berichterstattung in der Presse ist für die Verbreitung des Projektes von großer Bedeutung. Daher ist die regelmäßige Kontaktpflege und Information der Presse wichtig. Wir haben die meisten Schulen und Lesepaten als Folge von Presseberichten erhalten.

Aufbau einer Datenbank mit den Kontaktdaten der Lesepaten und den Zeiten, die von ihnen zur Verfügung gestellt werden. Von uns wird eine verbindliche Teilnahme von mindestens einem Jahr und mindestens einmal in der Woche 2 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit vorausgesetzt.

Erstellung jeweils von Listen von Lesepaten für die einzelnen Schulen. Jede Schule bekommt zwischen 10 und 20 Lesepaten zu Beginn. Später soll nachgeworben werden.

Gespräche mit den Schulen über den gewünschten Einsatz und Festlegung eines Starttermins für die Arbeit. Erstellung eines Infoblattes mit den wichtigsten Projektinformationen.

Herstellung eines schulspezifischen Werbeflyers für ehrenamtliche Lesehelfer und -helferinnen.

Innerschulische Klärung über den Einsatz der Lesepaten und die Kooperationsformen

Starttermin mit den Lesepaten in der Schule - Gestaltung einer Willkommensatmosphäre. An diesem Termin müssen alles Lehrkräfte, die mit Lesepaten arbeiten wollen, teilnehmen.

Dieser Termin dient dazu, dass sich die Schule vorstellt, ihre Einsatzwünsche darlegt, zur Vorstellung der Lesepaten und dem gegenseitigen Kennenlernen.

Erfahrung mit dem bisherigen Einsatz zeigen, dass es sinnvoll ist, den Einsatz der Lesepaten in enger Kooperation mit den unterrichtenden Lehrkräften zu planen.

In den meisten Schulen, die bereits mit der Arbeit begonnen haben, werden die Lesepaten zunächst den unteren Klassen zugeteilt (zwischen 1-3 Personen pro Klasse). Mittlerweile geht der Einsatz über alle Klassenstufen.

Die meisten Lesepaten arbeiten entweder einmal pro Woche 3 bis 4 Stunden oder zweimal zwei Stunden, manche auch mehr. Überwiegend sind sie im Unterricht anwesend und arbeiten mit einzelnen Kindern oder Kleingruppen (in den Differenzierungsphasen des Unterrichts) entweder im Klassenraum oder außerhalb.

Bei vielen wird auch im Anschluss an den Unterricht gelesen.

Bei den Kindern, die noch nicht lesen können, wird vorgelesen. Mit zunehmendem Alter besteht die Arbeit darin, den Kindern beim Lesen zuzuhören und über den Text zu sprechen.

Kommunikation und Koordination

Die Organisation des Bürgernetzwerks Bildung arbeitet dezentral. In jeder Schule gibt es ein Tandem von Koordinatoren der Lesepaten. Und jede Schule hat ihrerseits einen Ansprechpartner, dies muss nicht die Schulleitung sein. Diese sollten regelmäßig Kontakt zueinander haben und sich über die Akzeptanz und die Qualität des Projektes vor Ort verständigen.

Die Lesepaten der Schule treffen sich zu Beginn der Arbeit einmal im Vierteljahr zu einem Erfahrungsaustausch, später kann der Zeittakt größer werden.

Die Koordinatorinnen und Koordinatoren werden alle 4 Monate in den VBKI zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen. Dies ist ein wesentlicher Kontakt, der für das Funktionieren der Arbeit sehr wichtig ist.

Fortbildungsangebote für die Lesepaten

Eine wesentliche Qualifizierung besteht in dem Einsatz selbst. Dadurch dass die Lesehelferinnen mit im Unterricht sitzen, lernen sie (oder akualisieren das Wissen), wie und was Kinder in diesem Alter lernen und sie lernen von den Lehrkräften.

Es gibt ein Fortbildungsangebot der FU Berlin für ehrenamtliche Lesepaten. Dazu gibt es eine Vereinbarung zwischen dem VBKI und der FU, die den Lesepaten des Bürgernetzwerks eine gebührenfreie Teilnahme ermöglicht.

Der VBKI bietet für jede Schule auch eine eigene dreistündige Fortbildung an mit anschließendem Empfang. Dies ist auch als Anerkennung für die Lesepaten gedacht.

Anerkennungskultur

Das Ehrenamt lebt von der Anerkennung. Wir bemühen uns um Angebote im kulturellen Bereich, Teilnahme an Generalproben von Orchestern und Theatern, Museumsbesuchen, Sportveranstaltungen.

Bisherige Erfahrung mit Lesepaten

Der größte Teil der Lesepaten ist sehr qualifiziert und hoch motiviert. Der größere Teil, (ca. 70 %) sind Rentner; die knappe Hälfte dürfte über einen akademischen Abschluss verfügen.

In den ersten Wochen zeigt sich, wer dauerhaft weiter arbeitet. Ein Teil steigt erfahrungsgemäß aus. Darauf sollte man sich realistisch einstellen. Die Fluktuation (nach 2jähriger Erfahrung) beträgt im Durchschnitt ein Drittel der Lesepaten.

Die Rückmeldungen zeigen eine sehr positive Resonanz. Sowohl der größte Teil der Lesepaten erleben ihren Einsatz als positiv, vor allem die Akzeptanz durch die Kinder, die auf die verstärkte Zuwendung sehr emotional freudig reagieren.

Die Schulen erleben den Einsatz in der Regel aus Motivationsanregung und zusätzliche Hilfe.

Organisation des Projektes

Jedes Ehrenamt braucht einen professionellen Kern. Neben der Projektleiterin gibt es eine feste Mitarbeiterin und eine Stundenkraft. Das Büro ist regelmäßig besetzt.

Problemquellen

Wenn Ehrenamtliche nicht fest mit verbindlichen Terminen eingeplant werden, fühlen sie sich nicht erwünscht oder gebraucht. Der gleiche Effekt tritt ein, wenn die Aufgabenstellung unklar ist, dh. der Einsatz zu diffus ist.

Wenn Ehrenamtliche in Konkurrenz zur Lehrkraft treten und eigene pädagogische Konzepte entwickeln, die mit denen der unterrichtenden Lehrkraft nicht kompatibel sind.

Der Einsatz soll Effekte zeigen - d.h. ein Verfahren zur Evaluation muss noch entwickelt werden. Es ist wünschenswert, dass in der Schule Indikatoren entwickelt werden, den Lernzuwachs von Kindern zu beobachten.