| "Da steckt Musik drin": Im Herbst startet der Musikkindergarten Hamburg |
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Interview mit Maria Willer zur Gründung des Musikkindergartens Hamburg Wie würden Sie den Musikkindergarten Hamburg beschreiben?
Eigentlich sind wir eine ganz normale Kita. So wie es die Hamburger Bildungsempfehlungen für Kindertagesstätten vorsehen umfasst unsere pädagogische Arbeit alle Bereiche von Bewegung und Kommunikation über Wahrnehmung der sozialen und kulturellen Umwelt bis hin zu ersten naturwissenschaftlichen Erfahrungen, bildnerischem Gestalten und natürlich Musik. Die Musik ist dabei aber mehr als nur ein Bildungsbereich. Sie umhüllt, das gesamte Lernen. Dadurch, dass sie nicht nur zu gewissen Zeiten oder einem Stundenplan folgend angeboten wird, begleitet sie das Lernen. Sie ist sozusagen ein Botenstoff für das gesamte Lernen. Mit der Musik werden wir viel mehr erobern als nur ein Verständnis für Rhythmik, Klänge und Noten. Das gemeinsame Musizieren schult die soziale Kompetenz und fördert die Wahrnehmung von sich selbst als Teil einer Gruppe. Hören und Wiedergeben fördert die Sprachentwicklung. Rhythmus und Bewegung unterstützen die motorische Koordination. Erlebnisse mit Klang und Akustik führen zu den Naturwissenschaften. Auch erste Erfahrungen mit Zahlen und Strukturen können bei der Musik und beim Singen gemacht werden.
Im Herbst 2007 hatte ich Kontakt zu Linda Reisch, der Geschäftsführerin des Musikkindergarten Berlin, aufgenommen. Über meine Arbeit als Moderatorin bei Klassik Radio hatte ich von dem Projekt dort gehört und war gespannt, Genaueres zu erfahren. Schlussendlich war ich so begeistert von der pädagogischen Idee, die dahinter steht, und etwas verwirrt, dass sich aus Hamburg noch niemand anderes bei den Berlinern mit einem Interesse gemeldet hatte, dass ich damals entschied: Dann ist es jetzt wohl Zeit, so etwas auch für Hamburg auf die Beine zu stellen!
Erst einmal musste ich mir Gedanken machen, ob ich so ein Projekt alleine machen will, ob ich andere finde, die so etwas machen können oder ob ich mir einen Partner suche, mit dem man es gemeinsam tun kann. Letzteres war die Lösung. Nachdem ich mir einige Träger angeschaut und gesprochen habe, fiel die Wahl auf die Stiftung Kindergärten Finkenau. Ein Träger, der seit über 20 Jahren mittlerweile 25 Einrichtungen in Hamburg betreibt. Die drei Geschäftsführer, Uta Mette, Konrad Mette und Inge Schüler, sind extrem erfahrene, hoch motivierte und neugierige Menschen. Damit war der pädagogische Partner gefunden. Nun musste noch die Musik ins Spiel kommen. Zusammen mit Frau Reisch und einem netten Gruß von Daniel Barenboim (Initiator des Berliner Musikkindergartens) auf den Lippen haben wir bei Hamburgs Generalmusikdirektorin, Simone Young, vorgesprochen. Ihr gefiel die Idee von Anfang an. Aber sie hat zuerst das Orchester und den Chor gefragt, – denn das Engagement der Musiker und Sänger ist ja voll ehrenamtlich – hat die Zustimmung dort abgewartet und uns dann die Kooperation mit der Staatsoper zugesagt.
Der Standort im Schanzenviertel ist perfekt. Dort existiert die Mischung
in der Bevölkerung, die wir uns in der Elternschaft wünschen. Und dazu
sind wir nur eine S-Bahn-Station von der Staatsoper entfernt. So ist es
für die Musiker einfach, zu uns zu kommen. Und auch für uns ist es
unkompliziert, mit den Kindern die Staatsoper zu besuchen. Man kann
sogar zu Fuß durch den Park Planten un Bloomen gehen.
(Foto: Beginn der Bauarbeiten, Juni 2010)
Welche Unterstützung haben Sie gefunden?
Es ist schön zu erleben, dass sich viele Menschen von unserem Konzept
begeistern lassen. Und so können wir uns schon jetzt für einiges an
Hilfe bedanken. Das geht los bei unserem Anwalt, der pro bono unseren
Gesellschaftsvertrag aufgesetzt hat. Über die Designagentur, die uns
unser Logo entwickelt und die Website gestellt hat. Wir haben auch schon
ein paar Geldspenden für Musikinstrumente sammeln können. Und die
Hamburger Sparkasse finanziert uns den Bau eines schallisolierten
Musikraums.
Wann können hier in Hamburg die ersten Kinder aufgenommen werden? Wie wählen Sie die Kinder aus? Am 15. September diesen Jahres gehen wir in Betrieb. Natürlich nehmen wir zum Beginn nicht gleich alle 120 Kinder auf. Das geht 2010/11 Schritt für Schritt. Nach sechs bis acht Monaten Betrieb sind wir dann voll belegt. Die Gruppenzusammenstellung ist aber schon erfolgt. Ende Mai konnten wir die Eltern informieren, wer einen Platz für sein Kind bekommt und wer leider nicht. Wir hatten mehr als doppelt so viele Bewerbungen als Plätze. Das war schon traurig, so vielen Familien absagen zu müssen. Bei der Zusammenstellung der Gruppen haben wir im Prinzip auf eine größtmögliche Heterogenität geachtet. Bei Alter, Geschlecht und auch familiärem Hintergrund. So haben wir Eltern, die in akademischen Berufen arbeiten genauso wie im Handwerk oder in Kreativberufen. Das ist auf jeden Fall eine bunte Mischung geworden.
(Foto: Schlüsselbergabe mit Konrad Mette, Uta Mette, Frank Seitz (GF des Fleischgroßarkts Hamburg, Vermieter des Musikkindergartens Hamburg und Maria Willer - von links nach rechts).
Was begeistert Sie für den Musikkindergarten?
Da ich ja selbst nicht aus der Pädagogik komme, lerne ich jeden Tag ganz
viel spannende Dinge von meinem Partner, der Stiftung Kindergärten
Finkenau. Und tagtäglich wächst in mir die Überzeugung, dass wir ganz
viel Gutes tun werden für das Aufwachsen und Lernen der Kinder. Ich
wünsche mir natürlich, dass wir mit unserer Arbeit langfristig Akzente
setzen, und dass unsere Ergebnisse auch für andere Kitas anwendbar
gemacht werden können. So dass sich das Prinzip „Bildung durch Musik“
wie ein Lauffeuer verbreiten wird. Barenboim sprach einmal in einem
Interview von der „Revolution von unten“. Das hat mich irgendwie
angesteckt. Warum diskutiert man über Elite-Universitäten, wenn man
nicht erst einmal mit dem Potential arbeitet, das da ist? Das erscheint
mir nicht sinnvoll. Wenn Deutschland in Sachen Bildung wieder mitspielen
will, dann müssen wir mit der Förderung der Kleinsten beginnen, und
zwar auf die spielerische Art und Weise, die den Kindern entspricht. Da
steckt Musik drin! Das Interview führte Cornelia Hoyer, Archiv der Zukunft-Netzwerk Redaktion Fotos: Die Fotos wurden von Maria Willer zur Verfügung gestellt.
Weitere Informationen:
Homepage des Musikkindergartens Berlin: http://www.musikkindergarten-berlin.de/ Musik bildet - Hauptseite: http://www.adz-netzwerk.de/Musik-bildet/ Idee und Ziele des Musikkindergartens Berlin: http://www.adz-netzwerk.de/Idee-und-Ziele-des-Musikkindergartens-Berlin.phpAufgaben und Projekte des Musikkindergartens Berlin: http://www.adz-netzwerk.de/Aufgaben-und-Projekte-des-Musikkindergartens-berlin.php Materialien zum Musikkindergarten: http://www.adz-netzwerk.de/Materialien-zum-Musikkindergarten-Berlin.php Interview mit Maria Willer, Musikkindergarten Hamburg: http://www.adz-netzwerk.de/Da-steckt-Musik-drin-Im-Herbst-startet-der-Musikkindergarten-Hamburg.php Kongressvortrag von Matthias Hülsen: http://www.adz-netzwerk.de/Chancenlos-Kinder-aus-unterprivilegierten-Verhaeltnissen.php Diskussionsforum zu "Musik bildet": http://www.adz-netzwerk.de/Uberlegungen-zu-Musik-bildet.php
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