Zweiter Rundbrief von Johannes Beck, Gert Sautermeister und Gerhard VinnaiEinladung zum dritten Abend kritischer Suchbewegung am 14. 11. 2007Bitte auch an andere Interessierte weitergeben !! Liebe Freundinnen und Freunde, Kolleginnen, Kollegen und Studierende, im Sommersemester dieses Jahres haben die ersten beiden Abende unserer kritischen Suchbewegung stattgefunden. Am 14. Mai ging es mit Gerhard Vinnai um die Frage: „Begünstigt die christliche Religion die Gewalt?“ Am 12. Juni war unser Thema mit Gert Sautermeister: „Der Roman als politischer Zeitzeuge. Uwe Timm: Rot und die Protestbewegung nach 1968“.In kleiner Runde (ca. 20 Teilnehmer) ließ es sich gut zuhören und diskutieren. Das ermutigt uns, die Suchbewegung mit unseren Gästen weiter zu führen. Also laden wir nun zum dritten Abend ein. In seinem einleitenden Vortrag fragt Johannes Beck:„Was haben die Kinder auf der Straße verloren?“Begreifen wir die Stadt noch als Bildungsraum?Die gegenwärtige Diskussion über Bildung kreist im PISA-Strudel fast nur noch um die Bildungsinstitutionen Schule, Kindergarten, Universität. Verdrängt wird damit die Bildungsmacht des öffentlichen Raumes, den wir durch unsere Handlungen bilden und der uns seinerseits bildet oder prägt. Eine Binsenweisheit lehrt uns, dass Kinder und Jugendliche anregungsreiche Erfahrungsräume und eigene Gestaltungsorte im ganz normalen Leben brauchen, die nicht pädagogisch zubereitet sind, wenn Bildung gelingen soll. Doch die öffentlichen Räume der Stadt sind unzugänglich, erfahrungsarm und bildungsfeindlich gemacht worden. Alles ist schon verplant und geregelt. Eigene öffentliche Gestaltungsversuche von Jugendlichen sind oft nur noch in destruktiver Subversion möglich.Was also haben die Kinder auf der Straße verloren, seit sie von ihr verscheucht worden sind? (Von den zahlreichen Straßenspielen, die wir 1975 noch beobachten konnten, sind nur sehr wenige übriggeblieben).Aber es ist nicht nur die allgemeine Automobilmachung und funktionale Entmischung der Stadt, die urbane Bildungsarmut in monokulturellen Sozialbrachen fördert. Die neu produzierte Armut mit skandalösem Kinderelend – im Konzert mit dem Ausbau eines selektiven Wohnungs- und Bildungswesens - haben nicht nur die Entsolidarisierung der Stadtgesellschaft verstärkt, sondern den Kindern auch wichtige Möglichkeiten der Entfaltung Urbaner Bildung genommen.Bleibt nun nur noch die Möglichkeit des totalen Ausbaus pädagogischer Ganztagsreservate, die den öffentlichen Raum noch radikaler von unserem Nachwuchs entsorgen? Am 14. November 2007, 20.00 Uhr, Gästehaus der Universität, Teerhof Wir freuen uns auf diesen Abendund grüßen herzlich Gerhard Vinnai, Gert Sautermeister, Johannes Beck Für das Winterhalbjahr planen wir noch weitere Abende. Die Themen und Termine teilen wir mit, sobald sie feststehen. Im Anhang fügen wir den ersten Rundbrief vom April 2007 bei.
Anhang: In einem ersten Rundbrief vom April 2007 haben wir kurz begründet, warum wir zu kritischen Suchbewegungen einladen. Da nicht alle diesen Brief bekommen haben, fügen wir ihn hier nochmals bei.
Liebe Freundinnen und Freunde, Kolleginnen, Kollegen und Studierende,
von der Universitätsarbeit sind wir nun, als pensionierte Hochschullehrer, entpflichtet, nicht aber vom Nachdenken. In der neuen Freiheit fehlen aber die sozialen Orte, die das gemeinsame Nachdenken mit Anderen ermöglichen. Deshalb möchten wir einen Diskussionszusammenhang zwischen Personen etablieren , die sich sonst nicht treffen und sich aus den Augen verlieren könnten. Als Vertreter der Pädagogik, der Literaturwissenschaft und der Psychologie möchten wir Gespräche zwischen den Angehörigen verschiedener Fachrichtungen, Professionen und intellektuellen Subkulturen ermöglichen, die sich kritisch mit aktuellen Problemen unserer Kultur und Gesellschaft auseinandersetzen.
Nachdem das allgemeine interdisziplinäre Gespräch, das einmal unsere Universität auszeichnete, seit längerer Zeit versiegt ist, eröffnet sich hier eine neue Chance zum Dialog.
Wir stellen uns mehrmals im Jahr einen Abend vor, an dem jemand von uns, oder ein Gast, zu einem Thema spricht, das uns diskutierenswert ist. Themen, die uns gegenwärtig vorschweben, sind beispielsweise:
· Religion und Gewalt
· Die Macht des Wünschens und die Ohnmacht der Vernunft
· Bildungspolitik
· Kapitalismus ohne Alternative?
· Literatur als Ort der Kritik und der utopischen Entwürfe
· Ist die Universität noch zu retten?
· Gespräche zwischen den Generationen.
Die Idee zu solchen Gesprächsrunden ist vielleicht nicht besonders originell, aber sie hat bei uns eine Eigenheit: Wir bemühen uns nicht um Aufmerksamkeit über Plakate und Presse. Wir schreiben Rundbriefe – wie diesen - an uns bekannte Personen, von denen wir denken, dass sie und ihre Freunde an ihnen interessiert sein könnten. Und dass sie selbst Themen vorschlagen und die Treffen mitgestalten wollen. Sie alle sind herzlich eingeladen.
Wir beginnen am Montag, den 14 Mai, 20 Uhr im Gästehaus der Universität (Teerhof)
Gerhard Vinnai: “Begünstigt die christliche Religion die Gewalt?“
Zweiter Abend: Dienstag, den 12. Juni, 20 Uhr im Gästehaus der Universität (Teerhof)
Gert Sautermeister: “Der Roman als politischer Zeitzeuge. Uwe Timms “Rot“ und die Protestbewegung nach 1968“
Die Gesprächsrunden im Wintersemester wird Johannes Beck mit dem Thema “Bildungspolitik ohne Bildung?“ eröffnen.
Zu den Themen, Zeiten und Orten im Wintersemester werden wir wieder einen Rundbrief verschicken.
Wir freuen uns auf kritische Suchbewegungen
und grüßen herzlich
Gerhard Vinnai, Gert Sautermeister und Johannes Beck
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