| Großer Andrang bei Theater träumt Schule |
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![]() Am ersten Januarwochenende 2010 fand „Theater träumt Schule“ zum zweiten Mal statt. Nach der Premiere im Juni vergangenen Jahres im Theater Freiburg , diesmal im Theaterhaus Gessnerallee in Zürich . Und wieder war es voll. Bis auf den letzten Platz. Viele Interessenten konnten an den Theatervorstellungen, Vorträgen und Worksshops nicht teilnehmen. Das TheaterStückDie Inszenierung „Robinson oder die Insel der Visionen“ stand im Zentrum. Ein Stück von Sandra Strunz über die alte Schule, Lernen und die Hoffnung auf eine neue Schule. Den Anstoß hatte der Film „Treibhäuser der Zukunft“ gegeben. Sandra Strunz hatte sich in anderen Bühnenarbeiten mit Utopien beschäftigt. Nun fand sie in der Wirklichkeit, was sie bis dahin für utopisch hielt. Die freie Bühnenproduktion firmiert denn auch unter dem Namen „Treibhaus Produktionen“. Eine Spielhandlung wurde mit Texten von Shakespeare bis Hannah Arendt, von Rousseau bis Peter Fratton und Reinhard Kahl zu einer Revue verwoben. Zum Beispiel ein von den Schauspielern Rainer Süssmilch und Matthias Breitenbach nachgesungenes Radiogespräch zwischen Theodor W. Adorno und Helmut Becker. (Bitte klicken Sie auf das Foto rechts, um einen Video-Ausschnitt davon zu sehen.) Das Stück wird, wenn alles gut geht, zur Eröffnung des adz-Kongresses „Arche Nova | Die Bildung kultivieren!“ am 24. September im Festspielhaus Bregenz aufgeführt werden.
Das Symposion![]() Am 8. und 9. Januar nun wurden die beiden vorläufig letzten Vorstellungen des Stückes in Zürich vom Symposion „Theater träumt Schule“ begleitet. Es begann mit einem Vortrag von Remo Largo. Der emeritierte Zürcher Professor für Kinderheilkunde argumentierte mit der Klarheit seiner empirischen Studien. Die beeindruckenden Forschungsvideos zeigen, wie kleine Kinder ihre Fähigkeiten ohne jeden Lehrer entwickeln. Wenn sie allerdings etwas tun sollen, was sie noch nicht können, dann antworten sie mit schlechter Laune und sträuben sich. Nur wenn sie die Dinge gemäß ihren Möglichkeiten erkunden, sind sie wirklich Forscher. Es war faszinierend in Nahaufnahmen zu sehen, wie ein einige Monate altes Kind mit Lippen und Zunge einen kleinen Spielzeugklotz an allen Seiten regelrecht vermisst. Es kommt also drauf an, den Kindern die passende Umgebung und Gelegenheiten für ihren Eigensinn zu schaffen und auf Manipulation und Überforderung zu verzichten. Remo Largo berichtete davon, wie er während seiner Forscherjahre in den USA versucht hatte mit allerlei Mitteln kleine Kinder dazu zu bringen, mehr zu können, als ihrer Entwicklung entspricht. Er hatte keinen Erfolg. Ja, er verursachte Misserfolge, weil sich dadurch die Stimmung der Kinder verschlechterte. Der falsche Wissenschaftleranspruch nahm den Kindern ihre Entdeckerfreude.
Der zweite Tag
Workshops![]()
Am Nachmittag des Sonnabends folgten Worksshops. Doris und Peter Fratton zeigten wie „Autonomes Lernen in gestalteter Umgebung“ gelingt. „Die Natur als Pädagogin - Schule im Wald“ nannten Nannette Bratteler und Martina Schaffer die Präsentation ihrer Zürcher Primarschule, deren Kinder zusammen mit den Lehrpersonen ein bis zwei Tage die Woche im Wald verbringen. In anderen Workshops ging es um „Heterogenität“ (mit Dieter Rüttimann) und um „Entschulung“ (mit Martin Näf). Zum Schluss diskutierte ein Podium „eine Schule für eine neue Gesellschaft“. Erweiterung durch AustauschAber das Programm ist nur die eine Hälfte. Mindestens so wichtig waren der Austausch unter den Teilnehmern und die Möglichkeit zur Erweiterung der geistigen Verwandtschaft. ![]() Neben den Einheimischen wurden auch viele Teilnehmer aus Deutschland gesichtet, zum Teil weit Gereiste, zum Beispiel eine Ärztin aus Ratzeburg, die nach dem Münsteraner Konvent im März 2009 in der Kommunalpolitik aktiv geworden ist und nun auf die gründliche Veränderung der Schulen nicht mehr lange warten will. Auch adz-Urgestein Alfred Hinz, der langjährige Rektor der Bodensee-Schule, war gekommen oder Uwe Brecher von der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden. (von links: Reinhard Kahl, Nannette Bratteler, Remo Largo, Martina Schaffer)
adz-Netzwerk Schweiz
47 Teilnehmer haben sich in eine Liste für die Gründung eines Schweizer Netzwerks Archiv der Zukunft eingetragen. Es geht also weiter. Schulgründer Peter Fratton schreibt: „Wir haben bei unserem Vortrag zum ersten Mal die Aufgabe gegeben, zu überlegen, was sich aufgrund des Gesagten am eigenen Arbeitsplatz verändern ließe und uns dies gleich am Montag zu melden. Da sind doch tatsächlich 21 Mails eingetroffen. Das hat uns sehr gefreut.“
„Das alte und - wie es den Anschein macht - auch immerzu neue Thema "Schule für eine neue Gesellschaft" bewegt viele Menschen. Sie kamen denn auch in hellen Scharen in die "Alte Werkstatt" des Theaters "Gessnerallee" in Zürich. Werkstatt-Charakter hatte die Veranstaltung im besten Sinne des Wortes. Mit Inbrunst wurde da an der "neuen Schule" gezimmert, so dass die Späne flogen. Aufbruchstimmung herrschte und der Wille "es" zu tun. In der Tat wird in der Schweiz, zuweilen atem- und auch ein wenig orientierungslos, über den Umbau der Schule gesprochen. Die Taten nur, die beherzten, bleiben aus. Das stiftet viel Unruhe in diesem Land.
>Wir wissen viel, aber wir glauben nicht daran<, meinte Reinhard Kahl einmal im Laufe der Gespräche. Ich möchte dem gerne anfügen: Wissen lässt kalt. Erst wenn wir etwas glauben, entsteht Wärme und erst wo Wärme entsteht, kommt der Mensch ins Tun. Und von dieser Wärme war an diesen beiden Tagen einiges zu spüren. Das >Archiv der Zukunft< und der >Freie Pädagogische Arbeitskreis<, dem ich seit vielen Jahren vorstehe, gedenken, in nächster Zeit ein Netzwerk in der Schweiz zu knüpfen. Für die Anwälte der Kinder unter den Schulerneuerungswilligen soll eine Plattform entstehen." Daniel Wirz (Fotos 1-3 (c): Tanja Dorendorf / T+T Fotografie) |




Den zweiten Tag eröffnete Reinhard Kahl mit dem Multimedia Vortrag: „Nicht Fässer füllen, sondern Flammen entzünden“. Er zeigte, wie gestaltete Räume selbständiges und kooperatives Lernen unterstützen. Solche „Treibhäuser“ sind allerdings noch nicht die Regel. Die meisten Räume erinnern eher an gestaltlose Container, einzig dazu da „Stoff zu vermitteln“. In diesen Containern werden Kinder und Jugendliche entleert und wie Fässer gefüllt. Als Personen mit ihrer je eigenen Geschichte werden sie verfehlt.




