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Strafversetzt wegen guter Noten - Grundschul-Rebellin erhält Courage-Preis Drucken
Christian Füller (Spiegel-Online) vom 04.06.2009

Ihr Fall machte Furore: Die Lehrerin Sabine Czerny wurde von bayerischen Schulbehörden strafversetzt - wegen guter Noten und spannenden Unterrichts. Jetzt hat die Lehrerin, die zu wenig Fünfen gab, einen Preis für Zivilcourage erhalten.

Der Notenschnitt ist im Lehrerkollegium das Maß der Dinge. Geht ein normal begabtes Kind mit ein paar Mathe-Überfliegern in eine Klasse, hat es schlechte Karten. Die Arbeit kippt eher in Richtung vier als hinauf zur drei. Sitzen aber in den Bänken links und rechts nur Rechen-Luschen, kann der selbe mittelprächtige Grundschüler schon mal mit einer Zwei glänzen. Es gilt: Der Schnitt muss stimmen. Gerecht ist das nicht, aber das System ist unerbittlich. Und wehe, jemand versucht auszuscheren.Sabine Czerny: "Noten sollten so sparsam wie möglich gegeben werden" Die Lehrerin Sabine Czerny hat eben das getan - und hätte damit beinahe ihren Job als Grundschullehrerin in Bayern verloren. Ihre Schüler wurden besser und besser. Die junge Lehrerin weigerte sich indes, deshalb ihre Notenstufen zu verschieben, nur damit die Kinder neben den Vergleichsklassen nicht zu gut dastehen. Die Grundschullehrerin aus dem Münchener Raum gerät deswegen seit einigen Jahren immer wieder mit Bayerns Schulämtern in Konflikt. Noten sollten so spät und so sparsam wie möglich vergeben werden, sagt Sabine Czerny, 37. Und sie sollten das wahre Leistungsvermögen der Schüler widerspiegeln. Als sie dieser Maxime folgend neun von zehn ihrer Viertklässler für tauglich befand, in Realschule oder Gymnasium aufzusteigen, zogen die Behörden die Notbremse.

Lernziele versus Sortierauftrag

Sie versetzten die Lehrerin - wegen zu guter Noten. Dieser Widerspruch machte Sabine Czerny, im Schuldienst seit 1996, im vergangenen Sommer über Nacht berühmt. Zeitungen und das TV-Magazin "Monitor" berichteten über die Frau, sie wurde zu Bildungskongressen eingeladen, es entwickelten sich leidenschaftliche Debatten - auch an Czernys Schule. Die Eltern ihrer Schülern waren glücklich, weil die Kinder plötzlich wieder Spaß am Lernen fanden. Und die Eltern der Parallelklassen waren sauer - weil die Kinder von nebenan so gute Noten kassierten.

Für ihren Kurs hat Sabine Czerny am Dienstag das Karl-Steinbauer-Zeichen für Zivilcourage erhalten - eine Auszeichnung der bayerischen Pfarrbruderschaft "wegen ihres Engagements für humane Schule". Ihre Renitenz hat der Lehrerin aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck aber zuvor eine Menge Ärger beschert. Was ihr widerfuhr, ist schwer in Einklang zu bringen mit dem unbeschwerten Bild, das viele vom Arbeiten an einer Grundschule haben.



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