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| Sorgenkinder der Nation - Sind Jungs jetzt das benachteiligte Geschlecht? |
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3sat online Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts belegt es: Jungen werden in der Schule und in den Kindergärten benachteiligt. Das hat zur Folge, dass sie im Vergleich zu den Mädchen eher versagen, sich verweigern, sitzenbleiben und auf Sonderschulen abgeschoben werden. Das Buch "Rettet unsere Söhne" stößt in dasselbe Horn. Hat das schlechte schulische Abschneiden der Jungen gesellschaftliche Folgen? Und was bedeutet das für die emotionale Entwicklung des männlichen Geschlechts? Jungen einer Mainzer Gesamtschule geben sich gelassen. Erst wenn man sie nach den Mädchen fragt, sind sie verunsichert. Der Medienwissenschaftler Arne Hoffmann stützt sich in seinem neuen Buch auf eine Studie des Bundesbildungsministeriums, nach der Mädchen die besseren Noten bekommen, weil sie sich im Unterricht wohlverhalten. "Jungen werden eher drangenommen im Unterricht als Mädchen", so Hofmann, "aber wenn sie drankommen, werden sie viel eher ermahnt und härter bestraft. Sie bekommen außerdem oft für dieselbe Leistung eine schlechtere Note." Jungen fallen auf durch mangelnde Konzentration, Aggressivität und Desinteresse. Nur noch 28 Prozent der Jungen erreichen die Hochschulreife, aber 36 Prozent der Mädchen. Männlichkeit ist verpönt. Alpha-Mädchen geben den Ton anDiese Umwertung hat Folgen. Jungen gelten als Täter und Störer. Sie werden in der Schule ständig korrigiert und diszipliniert. Mädchen dagegen gelten als Opfer und werden gefördert. Jungs stehen auf der Kippe. Mädchen trumpfen auf: Das Verhältnis der Geschlechter hat sich umgekehrt. Alpha-Mädchen geben den Ton an und übernehmen die Tricks der Jungs. Wolfgang Bergmann ist einer der profiliertesten Jugendtherapeuten der Republik. Bergmann ergreift bewusst die Partei der Jungen. Weil die Mädchen in den letzten Jahrzehnten gezielt und einseitig gefördert wurden, zum Beispiel durch den "Girl's Day", ein Zukunftstag, allein für Mädchen. "Es gibt immer aggressivere Mädchen, die auch drauf los schlagen", so der Jugendtherapeut. "Mädchen haben in der Pubertät auch den biologischen Vorteil, dass sie größer und kompakter sind. Jungs denken dann: 'Mit der lege ich mich lieber nicht an.' Aber was ist das für eine Kränkung!" Verhindert eine starke Frauenlobby und eine Übermacht von Lehrerinnen, dass Jungen in der Schule besser werden? Historisch war die Frauenbewegung eine Kampfansage an die Männer. Ist die Folge eine unterdrückte Männlichkeit? Alice Schwarzer hat die "Macht der Schwänze" unterminiert. Und sie hat erreicht, was sie vielleicht gar nicht wollte: Die Jungen werden das schwächere Geschlecht. Selbstbewusste Männlichkeit ist passé, den Jungen aber fehlen männliche Vorbilder. Therapeut Bergmann sagt: "Die extrem moralische und oft spießige Friedens- uund Beschwichtigungspädagogik geht den Jungen sehr auf die Nerven." Es geht um eine Neubewertung von Männlichkeit, damit die Jungen und auch die Mädchen eine gemeinsame Zukunft haben.
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