Protokoll des Regionaltreffens Speyer-Rhein-Neckar vom 26.1.2010 Drucken

Dieses Treffen war ein kleines Jubiliäum: die Treffen finden mittlerweile seit mehr als einem Jahr statt (das erste war am 4.12.2008), insgesamt haben wir bereits 8 Treffen durchgeführt.

Der Ablauf der Treffen hat sich bewährt: Begrüßung, Vorsteller und Aufsteller, kurzer Input zu wechselnden Themen.

Vielen Dank an Sonja Schäfer für die spielerisch-darstellerische Einführung ins Thema!!! Meiner Meinung nach wäre ein solches Warming up eine große Bereicherung für jedes Treffen.

Den nächsten Termine haben wir vereinbart für Mittwoch, 14. April 2010, ab 19.30 Uhr.

Inhaltlich wurde vor allem Initiative "Eine Schule für alle" besprochen.

Rheinland-pfälzische Initiative (Die Initiator/innen: Frieder Bechberger-Derscheidt (Ministerialdirigent a.D.), Bernhard Clessienne (Gesamtschul-lehrer), Barbara Edel (Gesamtschullehrerin), Dr. Winfried Eschmann (Ministerialrat a.D.), Ursula Forster (Diplom-pädagogin), Hans-Jürg Liebert (Regierungsschuldirektor), Arno Rädler (Diplompädagoge, Rektor), Winfried Reinhard (Förderschullehrer an Gesamtschule, Mitglied des Hauptpersonalrats), Heinz Winter (Leiter des Studienseminars Grund- und Hauptschulen, Kaiserslautern).

„EINE Schule für ALLE – länger gemeinsam lernen“ - EINE Schule für ALLE ist notwendig


Rheinland-Pfalz hat in der Sekundarstufe I nach wie vor ein gegliedertes System aus Gymnasien, Integrierten Gesamtschulen und "Realschulen Plus".

Daneben gibt es auch weiterhin ein hoch differenziertes System von Förderschulen, in die viel zu viele Schülerinnen und Schülern umgeschult werden.

Der fatale Zusammenhang zwischen Schulerfolg und sozialer Herkunft, der nirgendwo so groß ist wie hierzulande, wird durch das bestehende Schulsystem weiter festgeschrieben.

Kinder werden im Alter von 10 Jahren viel zu früh auf nicht gleichwertige Schularten verteilt. Dadurch wird eine für die Gesellschaft schädliche und gefährliche soziale Aussonderung - wider besseres Wissen - in Kauf genommen. Diese wird durch die Beibehaltung der Förderschulen, insbesondere der "Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen", zusätzlich verschärft.

"Die Datenlage (der PISA-Ergebnisse) zeigt deutlich, dass spätere schulische Selektion die Chancengleichheit erhöht. Gleichzeitig geht spätere Selektion nicht mit einem geringeren Leistungsniveau einher". (Wößmann 2007)

 

EINE Schule für ALLE ist gewollt


Inzwischen sind breite Bevölkerungskreise in Deutschland über die Folgen unseres absurd früh auslesenden gegliederten Schulsystems beunruhigt, halten es für ungerecht und kritisieren seine mangelnde Leistungsfähigkeit (Zurückstellungen, hohe Wiederholerquote, Abschulungen, hohe Abbrecherquote, zu viele Jugendliche ohne Schulabschluss, reduzierte Berufschancen für Schüler mit Hauptschulabschluss, zu wenige Abiturienten). Vor allem die viel zu geringe individuelle Förderung der Kinder wird bemängelt.


Insbesondere deshalb hält eine große Mehrheit der Eltern längeres gemeinsames Lernen und die Verbesserung der individuellen Förderung für die richtige und zeitgemäße Antwort auf die Krise des deutschen Schulsystems. Dies sowie die Forderung nach Verbesserungen der Finanzausstattung des Bildungssystems und nach einer grundlegenden Reform der Lehrerbildung  stellen die wichtigsten Ergebnisse verschiedener repräsentativer Umfragen zur Situation des deutschen Schulsystems dar.

 

EINE Schule für ALLE ist machbar


Äußere Schulstrukturreform im Sinne eines längeren gemeinsamen Lernens in „EINER Schule für ALLE" braucht selbstverständlich veränderte Lernformen, die den einzelnen Schüler mit seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellen:

Die heterogene Lerngruppe ist Normalfall und zugleich pädagogische Chance und Grundlage für den Unterricht.


"Unterschiedliche Schüler – eine gemeinsame Schule", so haben die Kultusminister der skandinavischen Länder im Winter 2006/07 ihre gemeinsame bildungspolitische Konzeption genannt.

So sollte auch das Motto für das rheinland-pfälzische Schulsystem lauten.


Die Grundschulen beweisen, dass dies möglich ist. Sie verstehen sich prinzipiell als "EINE Schule für ALLE". Es gelingt ihnen nachweislich besser, Chancengleichheit herzustellen, d. h.  Kinder unabhängiger von ihrer sozialen Herkunft zu fördern und gleichzeitig im internationalen Vergleich gute Leistungen zu erreichen.

Auch die bestehenden 36 Integrierten Gesamtschulen und die mehr als 150 Schulen, in denen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden (Schwerpunktschulen), fühlen sich dieser Zielsetzung verpflichtet.

EINE Schule für ALLE  -  jetzt !


Die Unterzeichner der rheinland-pfälzischen Initiative "EINE Schule für ALLE – länger gemeinsam lernen" geben sich mit der jetzt vollzogenen Schulstrukturänderung nicht zufrieden.

Sie sind überzeugt, dass es in Rheinland-Pfalz bei vielen Bürgerinnen und Bürgern, bei Institutionen und gesellschaftlichen Gruppen sehr viel mehr Bereitschaft gibt, auch in unserem Bundesland jetzt eine Schule für wirklich alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen, die, individuell gefördert und zu Bestleistungen herausgefordert, gemeinsam bis zur 10. Klasse lernen (Inklusive Schule).

Grundsätze zum pädagogischen Konzept 


Vorbereitungsphase


Der Eintritt in  „EINE Schule für ALLE“ sieht für alle Kinder einer Gemeinde / eines Wohnbezirks vor dem Beginn der Schulzeit ein vorbereitendes, verpflichtendes und kostenfreies (in Rheinland-Pfalz bereits verwirklicht) Kindergartenjahr vor, um evtl. vorhandene sprachliche und sozial-emotionale Defizite bei einzelnen Kindern abzubauen und die Startbedingungen für alle Kinder einander anzunähern. Eine flexible Eingangsstufe in den ersten Schuljahren (s.u.) wird diesen Anspruch zusätzlich unterstützen.


Merkmale EINER Schule für ALLE in Rheinland-Pfalz sind:

  • Alle Kinder einer bestimmten Region (Stadtteil, Wohnbezirk, Kommune, kommunale Verbünde) gehen gemeinsam in eine Schule. Zwischen der zuvor besuchten Kindertagesstätte (s.o.) und der Schule gibt es eine enge inhaltliche und personelle Verzahnung. Die gemeinsame schulische Bildung und Erziehung erfolgt ganztägig und dauert 10 Jahre.
  • Eine in der Regel 3-jährige flexible Eingangsstufe ermöglicht den Kindern das Erreichen der notwendigen Kompetenzen in unterschiedlichen Zeiträumen und legt somit die Grundlage für die weitere gemeinsame Schulzeit.
  • Basis für eine gelingende Schule für Alle ist eine schulische Gemeinschaft, in der gemeinsame Inhalte (fachlich, sozial, human, demokratisch ...) eine grund-legende Wertekultur bilden und alle Schülerinnen und Schüler und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die gleiche Wertschätzung und Ermutigung erfahren. Unterschiede zwischen den Lernenden werden als Chance für das gemeinsame Leben und Lernen gesehen.
  • Mittelpunkt der schulischen Bildung und Erziehung ist ein an den Ergebnissen der Unterrichtsforschung orientierter und weitestgehend individualisierender Unterricht..


Ziel ist eine ganzheitliche Bildung. Neben einer gemeinsamen Grundbildung, die sich an festgelegten Bildungsstandards orientiert, steht den Schülerinnen und Schülern ein breites Angebot an inhaltlichen Lern- und Entwicklungsfeldern zur Verfügung, die alle wesentlichen Bereiche umfassen (fachliche Grundstandards + musisch-ästhetisch-künstlerische, sportlich-bewegungs-orientierte, politisch-humanistische, handwerkliche Schwerpunkte, u.v.a.m.).

Die 10-jährige gemeinsame Schulzeit schließt eine Berufsvorbereitung für alle Schülerinnen und Schüler mit ein.

  • In der gelingenden Schule für Alle gestalten die Kinder und Jugendlichen ihre Bildungsbiografien weitgehend selbst und werden dabei vom schulischen Personal beraten und begleitet. Die Überprüfung der erreichten Kompetenzen dient der weiteren individuellen Förderung.
  • Um EINE Schule für ALLE zu realisieren, kooperieren Lehrkräfte unterschiedlicher Ausbildungsgänge miteinander. Förderlehrkräfte werden personeller Bestandteil der allgemeinbildenden Schule für Alle. Die unterschiedlichen Kompetenzen der Lehrkräfte werden als Bereicherung für die Bildung und Erziehung der Lernenden geschätzt. Sozialpädagogen sind selbstverständlicher Bestandteil des Personals jeder Schule.

Langfristig verfügen die Lehrkräfte EINER Schule für ALLE über eine einheitliche Grundbildung im Bereich der Bildungswissenschaften, in die Diagnostik und inklusive Pädagogik integriert sind, und über besondere fachliche, fachdidaktische sowie pädagogisch-inhaltliche Schwerpunkte. Zusätzlich bereichern institutionalisierte Kooperationen mit Psychologen, Medizinern und Therapeuten unterschiedlicher fachlicher Prägung die Begleitung und Beratung der Kinder und Jugendlichen.


Mehr Infos auf der Webseite:   www.eine-schule-fuer-alle-rlp.de

Protokoll: Anja Rasche

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