Meine Gedanken nach dem AdZ Netzwerktreffen am 12.11.2011 in der Uni Potsdam
von Silke Ramelow
Insgesamt war es eine sehr schöne angenehme Veranstaltung. Etwa 35 Menschen waren da, meist Lehrende, Eltern oder Bildungsinteressierte. Mit dabei waren auch drei Interessierte aus Sachsen Anhalt, die dort eine Regionalgruppe aufbauen möchten und sich hoffentlich viele Anregungen mitnehmen konnten.
Nach kurzer Einführung zeigten wir Filme über das Projekt "Herausforderungen" an der Evangelischen Schule Zentrum. Zwei anwesende Schülerinnen berichteten darüber. Danach gab es ein großes Podium mit den beiden Schülerinnen und einer eines ganz normalen Gymnasiums, einer Mutter von Schülern an der ESBZ, einem Elternpaar mit Kindern an der Montessori Schule Potsdam. Katrin Cunow und Jasemin Mainka haben das ganz wunderbar moderiert.
Die beiden ESBZ Schülerinnen berichteten von der Schule, sehr routiniert, da sie das inzwischen durch die vielen Besucherinnen und Besucher gewohnt sind. Gleichzeitig spürte man jedoch, dass beide ihre Schule, die so viele Freiräume zur eigenen Entwicklung anbietet, sehr mögen. („Trotzdem bleibt Schule natürlich Schule und da geht man nun einfach mal nicht so gern hin ….“).
Zum Projekt "Herausforderungen", in dem die Schülerinnen und Schüler drei Wochen lang eine selbst gewählte Sache in kompletter Eigenregie mit einem pro Kopf Budget von 150€ außerhalb Berlins unternehmen sagte eine der beiden „Das wünsche ich jedem Schüler.“ Und „es ist zwar hart, aber ich war so unglaublich stolz auf mich, dass ich das geschafft habe. Jetzt kann ich noch viel mehr…“
Die Gymnasiastin berichtete danach über ihr „normales Gymnasium“ und sagte nur „das ist total frustrierend. Die Schülerinnen und Schüler lernen allein ins Kurzzeitgedächtnis hinein, es gibt überhaupt keine Zeit, weil das Schuljahr total durchgeplant und durchgetaktet ist, alles rankt sich um die Termine der Klassenarbeiten, die dann auch noch alle auf einmal stattfinden und jetzt wurde sogar aus Zeitnot das Berufspraktikum von vier auf zwei Wochen gekürzt.“ Sie wird zum Halbjahr die Schule wechseln.
Ein große Herausforderung für Schulen und nicht nur solche, die alternative Lehr- und Lernkonzepte umsetzen, sind die Eltern. Die Schule muss hier sehr viel Vertrauen aufbauen und den Eltern muss vermutlich sehr viel deutlicher vermittelt werden, wie wichtig es ist, Vertrauen in die Schule zu haben und dies die Kinder auch spüren zu lassen.
Jemand sagte. „Wenn die Eltern der Schule und den Lehrerinnen und Lehrern nicht vertrauen, dann werden die Schüler nicht gut lernen können.“ Für mich war dies einer der bedeutendsten Sätze.
Auch die Eltern auf dem Podium, deren Kinder in Schulen sind, die Projekte wie Herausforderungen oder das Schlänitzsee-Projekt an der Montessori Schule Potsdam anbieten sagten, dass es für sie eine enorm große, wenn nicht eine noch größere Herausforderung war, ihre Kinder „loszulassen“ und ganz selbsttätig zu lernen zu lassen. Zumindest beim ersten Mal hatten auch sie große Skepsis, Vorbehalte und Angst. Vor allem, wenn es darum ging, die Kinder eigenverantwortlich entscheiden und handeln zu lassen z.B. bei der Planung der Herausforderungen, die die Kinder natürlich ganz anders machen, als Erwachsene.
Es entstand eine rege Diskussion, teilweise etwas kontrovers. Sind Schulen wie die ESBZ oder die Montessorischule Potsdam gut für alle Kinder? Oder brauchen wir auch die klassische, rein Stoff vermittelnde Schule?
Am Schluss war einmal mehr deutlich zu erkennen, dass die Kinder und Jugendlichen auf jeden Fall nicht das Problem sind. Und vermutlich unterscheiden sich die beiden Schulen, die heute im Zentrum standen mit ihrer anderen Art des Lehrens und Lernens vor allem darin, dass diese Schulen bei eventuellen Schwierigkeiten im Gelingen der Lernbiographien der Schülerinnen und Schüler die Verantwortung dafür an- und übernehmen während die Erfolge der Schülerinnen und Schüler ihnen selbst zugestanden werden.
Im Anschluss an einen kleinen Imbiss kamen wir noch einmal zusammen, um Ideen für weitere inspirierende Orte zu sammeln und es kamen sehr viele Ideen.
Beim nächsten Mal, vermutlich Anfang Februar 2012 werden wir uns im „Requistenhaus“ eines Vaters treffen, der sich derzeit auch einer großen Herausforderung stellt.
Hier wollen wir – so die ersten spontanen Ideen, das Thema "Eltern" weiter vertiefen, hoffentlich auch viele gewinnen zu kommen und dann vielleicht mit Methoden des Design Thinking versuchen, Bilder und Modelle zu entwickeln, wie ein Musterwechsel in der Wahrnehmung und damit auch im Handeln aussehen könnte.
Hier die ersten Stationen unserer Reise durch die inspirierenden Lernorte in Berlin und Brandenburg:
-
18.08. 2011 in der Nürtingen Grundschule Berlin-Kreuzber
Thema: Der Raum als 3. Pädagoge: Das Bauereignis an der Nürtingen Schule, ca 35 TeilnehmerInnen
- 12.11.2011 auf dem Uni – Campus Potsdam
Thema: „Herausforderungen“ als verpflichtendes Projekt für Schüler, Eltern und Lehrer an der ESBZ, ca. 35
TeilnehmerInnen
- Februar 2012, im Requisitenhaus Berlin
Thema: Paradigmenwechsel, Musterwechsel
Silke Ramelow , 12.11.11
|