| Schule träumen im Theater - Freiburg |
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Am Wochenende 20. / 21. Juni kamen 2000 Menschen ins Theater Freiburg zu "Schule träumen im Theater“. Eingeladen hatten das „Theater Freiburg “ sowie das „Theater im Marienbad “ zusammen mit dem überregionalen Netzwerk "Archiv der Zukunft“, der Bildungsinitiative "Schule mit Zukunft “ und der Pädagogischen Hochschule Freiburg . In Werkstätten, Vorträgen und an runden Tischen ging es um Theater als „Wurzelbehandlung der Langeweile“ oder „Wände Einreißen“ in Schulen. Der Schweizer Kindheitsforscher Professor Remo Largo sprach über „den Vorteil verschieden zu sein“ und der Neurobiologe Professor Gerald Hüther begründete seine These: „Ohne Gefühl geht gar nichts.“
Theater in anderen Städten überlegen dem Freiburger Vorbild zu folgen. Das Netzwerk „Archiv der Zukunft“ koordiniert das überregionale Projekt und treibt es voran. Zum Abschluss der Aktionstage im Theater wurde eine Freiburger Erklärung veröffentlicht, die sich auch auf den „Bildungsstreik“, der an den Tagen zuvor an vielen Schulen und Hochschulen stattfand, bezieht. Freiburger ErklärungNicht Fässer füllen, Feuer entfachen„Ein wachsender Teil der Studenten glaubt weder ihre berufliche Karriere noch politische Entscheidungen beeinflussen zu können. Diese Einstellung ist bislang nur bei Jugendlichen ohne berufliche Qualifikation so verbreitet gewesen.“ Das ist das alarmierende Ergebnis der jüngst veröffentlichten Konstanzer Studenten-Studie, erhoben für das Bundesbildungsministerium. Die neuen Proteste der Schüler und Studenten sind ein Versuch sich aus dieser Lähmung zu befreien. Die Ökonomisierung der Ausbildung führt den Lernbetrieb in einen angestrengten Leerlauf. Zensuren und Credit-Points haben sich zu Zielen verselbstständigt. In deren Schatten sind Wissen und Können zweitrangig geworden. Von Bildung kann häufig gar nicht mehr die Rede sein. In den Lernfabriken schrumpft Zeit. Dabei heißt doch der Kern der europäischen Bildungsidee „Scholae.“ Das bedeutete in der Antike „Muße“, „frei sein von Geschäften.“ Muße ist auch ökonomisch gesehen produktiver als Bluff. Wenn sich Schüler und Studenten nicht länger wie Betriebswirtschaftler ihrer selbst verwerten wollen, brauchen sie Ermutigung und Unterstützung. Wenn sie sich über ihr Bulimielernen ekeln und nun fragen, ob ihre Zertifikate, im Zweifelsfall so leer sind wie manche Derivate auf den Finanzmärkten, dann brauchen sie Verbündete, die mit ihnen die Bildung neu denken. Bloß zu funktionieren und sich durchzuschlagen, kann kein Bildungsziel sein.Am 20. und 21. Juni sind Zweitausend Menschen zu „Schule träumen“ ins Theater Freiburg gekommen. Viele Schulen haben bereits mit ihrem Umbau zu Lernlandschaften begonnen. Lehrer, Eltern und auch Schüler wissen, dass sie selbst damit anfangen müssen. Der Übergang von der Industriegesellschaft zu einer Wissens- und Ideengesellschaft verlangt Bildung endlich zu dem zu machen, was sie immer schon sein sollte. „Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden wollen.“ Das schrieb der Schriftsteller, Arzt und Priester Francois Rabelais bereits vor fast 500 Jahren. Schulen sollten endlich aufhören, mit dem Ernst des Lebens zu drohen. Sie sollten die Vorfreude der Kinder auf sich selbst, mit der sie alle auf die Welt kommen, fortsetzen und kultivieren. Kinder und Jugendliche sollten eingeladen werden mitzumachen. Sie verdienen das Versprechen dazu zu gehören! Lernen muss das große Projekt des eigenen Lebens werden. Kinder und Jugendliche sollen nicht länger daran gewöhnt werden, wie Untermieter in der Welt zu leben. Schüler und Studenten brauchen Gesellschaft. Nicht „die Gesellschaft“, sondern Bündnispartner, Freunde, Leute die zu ihnen gehen, die etwas mit bringen, vor allem sich selbst. Und sie brauchen Orte: gute Schulen und Hochschulen, aber auch Orte wie zum Beispiel das Theater. Das vom Netzwerk „Archiv der Zukunft“, der Bildungsinitiative „Schule mit Zukunft“ und vom Theater Freiburg begonnene Projekt „Schule träumen im Theater“ ist ein Anfang. Er wird weiter geführt.
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Nach dem Erfolg des Wochenendes haben das Theater Freiburg und das
Netzwerk „Archiv der Zukunft“ beschlossen das Projekt „Schule träumen“
weiter zu führen. Barbara Mundel, die Intendantin, will das Thema durch
die kommende Spielzeit ziehen. An deren Ende, am 17. und 18. Juli 2010,
will das Theater auf allen Bühnen, in Werkstätten, Foyers und anderen
Räumen die ansteckende Gesundheit des Lernvirus in Umlauf bringen.