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| Performance im Unterricht – im Fach „Darstellen und Gestalten“ |
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Performance – Annäherungen an einen Begriff„Das immaterielle Zentrum der Performance, jeder Begegnung, das gemeinsame Wissen ist: das Zwischen-den-Menschen; das Zwischen-den-Dingen; das Wissen über den Ton, die Frequenz, die Nähe und Ferne und all die unaussprechlichen Dinge des Herzens.“ (Jürgen FRITZ, 1997) „Die Performance entsteht als das Mehr aus der Summe der Monologe im ‚Dazwischen’. Peter Brook untersucht es als das ‚in between’, (...) als das zu gestaltende ‚Zwischen dem Schauspieler und dem Zuschauer’ ( ...) auf das der einzelne Akteur nicht direkt zugreifen kann. Er kann nur versuchen, eine Situation zu schaffen, sie zu bewegen, mit ihr zu spielen, (... ) in der die Performance ( ...) entsteht.“ (Jürgen FRITZ, 1997) „Konstitutiv für Performativität ist ihre Zweipoligkeit. Sie erstreckt sich zwischen dem, das greifbar, hörbar und sichtbar vorliegt, und demjenigen, (...) dem es durch Wahrnehmung zum Ereignis werden kann.“ (Arbeitsgruppe Wahrnehmung, 2004, S. 15) Performance im Unterricht – Unterricht als PerformanceprozessUnterricht ist primär ein Kommunikationsprozess, in dem es um Inszenierung von Wahrnehmung geht. Wir nehmen etwas wahr, indem wir uns so oder so damit identifizieren. Aus dem, was unsere Sinne umgibt, gestalten wir - meist durch unbewusste Identifikation, Gegenstände der Wahrnehmung und nennen es Wirklichkeit. Dementsprechend spiegelt sich in unseren Äußerungen, unseren Haltungen und Handlungen, das Spiel der Wahrnehmung auf der inneren Bühne. In diesem Geschehen sind wir zugleich Zuschauer und Akteur. Künstlerische, insbesondere theatrale Prozesse, basieren auf diesem Spiel der Wahrnehmung und der darin wirkenden „Sehnsucht nach Inszenierung“ (Hanne SEITZ, 1998, 26). Über den Zusammenhang von Theater und Leben gibt es zahlreiche und unterschiedliche Konzepte, die an dieser Stelle nicht näher ausgeführt werden können. Ich denke vor allem an Berthold Brecht, Peter Brook, Robert Wilson, Augusto Boal, Roberto Cuilli, die sich mindestens darin treffen, dass es ihnen in der Theaterarbeit um neue Sehweisen geht, das Leben wahrzunehmen (vgl. ZILLEßEN / GERBER, 1997) Das Improvisations- und Experimentaltheater hat viele Formen entwickelt, die Rollen (Zuschauer, Akteur) und Inhalte beweglich zu halten. Performance-Art sucht die Überschreitung des Vertrauten, die Freisetzung neuer Wahrnehmungen, Gestaltungen und Inszenierungen und deren Vernetzung. Im Kontext dieser Entwicklung nimmt das Unterrichtsfach „Darstellen und Gestalten“ einen besonderen Platz ein in Schule und Unterricht. Das Fach„Seit 1987 wird in einem Modellversuch das Fachangebot im Wahl-Pflicht-Bereich an einer wachsenden Zahl von Gesamtschulen in NRW durch das Fach Darstellen und Gestalten erweitert. Dieses Fach vermittelt Wege der Verbindung und Integration verschiedener künstlerisch-ästhetischer Ausdrucksformen unter dem methodischen Schwerpunkt ihrer Darstellung und Gestaltung in produktiv-handelnden Prozessen.“ ( Unterrichtsempfehlungen für den Wahlpflichtbereich I, 1999, S.5) Darstellungen und Gestaltungen mit körper-, bild-, musik- und wortsprachlichen Schwerpunkten stellen das Spezifische dieses Lernangebotes heraus. Ästhetische Erfahrung wird verstanden als „Wahrnehmungs- und Auslegungserfahrung“ (a.a.O. S.7) „Auf diese Weise können persönliche Wahrnehmungsmuster und –urteile erweitert und eigene Formen ästhetischen Ausdrucks im Kontext sozialer Verantwortung entwickelt werden. Die Befähigung zu fantasievollen, kreativen und spielerischen Denk- und Handlungsstrukturen ( ...)“ steht dabei im Vordergrund. (a.a.O. S.6) Soviel zur offiziellen Präsentation des Faches. Meine AufgabeSeit 1994 bin ich als Moderatorin in der Fach-Entwicklung und -beratung im Rahmen der Lehrerfortbildung tätig. Als Fachlehrerin unterrichte ich Darstellen und Gestalten in den Jahrgängen 7-10. Trotz vorliegender Richtlinien und Entwürfe geht das oft nur schwankend und tastend. Manchmal geht es leicht und spielerisch und manchmal geht auch gar nichts mehr. Es ist eine ständige Suchbewegung entlang an Methoden und Strukturen, in Wahrnehmungen, Bedeutungen und Gestaltungen, in Bekanntem und Unbekanntem, zwischen Finden und Loslassen, neu Erfinden, Gestalten und Umgestalten. Es ist eine Suchbewegung im Schnittfeld von persönlicher und fachlicher Herausforderung, Erweiterung und auch Verunsicherung, für die Schüler/innen wie auch für die Lehrer/innen. Es geht, solange beide Seiten Lernende und Übende bleiben. Das Interesse konzentriert sich dabei auf Zwischentöne, auf Bruchstellen von Bedeutungen und Sichtweisen. „Es geht um Prozesse, die ein Produkt entstehen lassen und mittels dieses Produktes wieder neue Prozesse stimulieren, so dass Ganzheit nur temporär entsteht, weil sie sich im Wechselspiel stets ändert...(...) zielorientiert auf einen Horizont hin; der aber ist offen, bisweilen auch unübersichtlich und widersprüchlich...“ (Florian VASSEN u.a.,1998, S.9/10) Eben als Performance im Zwischenraum. Die GruppeDas Projekt, von dem ich berichte, habe ich in einem Kurs der Jahrgangsstufe 10 ( 11 w/ 3 m) im Verlauf eines Halbjahres durchgeführt. Die Gruppe, die ich zu Beginn des 9. Schuljahres von einem Kollegen übernommen hatte, galt als kaum zu unterrichten. Es war ein intensiver, oftmals zermürbender und insgesamt äußerst wertvoller Prozess, in dem es uns schließlich gemeinsam gelungen ist, die Energie statt in Abwertung und Verweigerung in kreative Inszenierungen einfließen zu lassen und die vorhandenen Ressourcen ins Spiel und ins Zusammenspiel zu bringen. Für die meisten war dies zugleich das Finale ihrer Schulzeit, da sie mit Abschluss der 10. Klasse die Schule verlassen haben. Sie haben es als Gelegenheit wahrgenommen sich noch einmal auf die Suche nach eigenen Orientierungen und Ressourcen zu begeben, um schließlich zwischen dem Blick zurück und dem Blick nach vorne noch einmal ganz präsent und sichtbar zu sein in einer gemeinsamen Inszenierung. Im Rahmen des Schulkulturabends haben wir Teile der Prozessarbeit in einer Performance zusammengebracht und öffentlich aufgeführt. Der Erfolg dieser Performance, die Erfahrungen im Prozess und die wertschätzenden Rückmeldungen der Zuschauer haben die Jugendlichen beim Übergang von Schule in den neuen Lebensabschnitt darin unterstützt, ihre Ressourcen für die Neuorientierung zu aktivieren. Mit gestärktem Selbstbewusstsein, gesteigerter Sensibilität für die eigene Selbstwertschätzung und die Wertschätzung anderer, und ebenso auch mit Unsicherheiten, Fragen und Ängsten im Gepäck, haben sie sich auf den Weg gemacht. Durchführung |
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| Ich liebe den Biss in die verbotene Frucht (Schneewittchen) | ![]() |
| Ich entscheide selbst, wann ich aufwache (Dornröschen) | |
| Ich kann Grenzen überschreiten (Der gestiefelte Kater) | |
| Bald ist Schluss mit den Erbsen! Ich lebe meine Träume (Aschenputtel) | |
| Ich weiß, was ich will (Rumpelstilzchen) | |
Die Kraft der Integration
Sammlung von Musikvorschlägen, die das Lebensgefühl der Akteure berührt.
Zusammenfügen der einzelnen Bausteine: Märchenfigur, Bewegungsablauf, Rhythmus, Satz, Musik.
Zusammenspiel zwischen synchronen Gruppenaktionen (das Gemeinsame) und unterschiedlichen Einzelaktionen (das Verschiedene) in einem gemeinsamen Tanz.
Wie soll es enden? – So soll es enden: Im Tanz der Kräfte

Der Tanz der Kräfte
Aber jetzt fing die Arbeit erst richtig an.
Auf dem Weg zur Aufführung: Performance im Zwischenraum
Eine Woche vor der Aufführung: Noch einmal stand alles auf dem Spiel: Die Spielleitung, die Spieler/innen, der Inhalt, die Gestaltungen, die Bühne, die Musik ... :“ was wollen wir denn überhaupt damit aussagen? – was passt wie zusammen? - wer macht was? - wieso ich? - wieso ich nicht? - was ziehen wir an? - was ist auf der Bühne? - wie fangen wir an? - wie hören wir auf? - welche Musik? - was soll das überhaupt alles?- da hat doch keiner Bock drauf! - wer soll das verstehen???“
... und dann, ... als klar war, dass ich mit meinen Vorschlägen, Antworten und Ratschlägen am Ende war: „Machen Sie sich mal keine Sorgen, wir kriegen das schon hin!!“
Und dann ging es richtig los......
„Das Stück wird zusammenkommen, weil die Spieler so verschieden sind.“
(Robert WILSON, zit. nach Ivan NAGEL, 1995. S. 65)
Und als es vorbei war:
Das war super ... wir habens` geschafft ... wir waren richtig gut ...jeder hat sein Bestes gegeben ... keiner hätte das gedacht ... wir haben alle zusammengehalten ... wir haben nicht aufgegeben...
Freude und Stolz, Anerkennung und Wertschätzung; gemeinsame Auswertung, Integration und Abschied.
... und wenn sie nicht gestorben sind,
dann leben sie noch heute ...
im Zwischenraum, an Rändern und in Brüchen

der leere Bühnenraum/ Bildprojektion
Ausklang und Ausblick
„(...) alles was zurückbleibt von einer Performance sind Erinnerungsspuren und niemals die Performance selbst. Das heißt, das Schreiben über Performance beinhaltet immer den Wunsch diese einzuholen, tatsächlich aber werden nur weitere Erinnerungsspuren gelegt, die Performance weitergeschrieben.“ (Vera APFELTHALER, o.J.)
Literatur
- APFELTHALER, Vera: Die Performance des Körpers – Der Körper der Performance, o.J., www.univie.ac.at/kontext/onlinetxt/apfelth.htm
- Arbeitsgruppe Wahrnehmung: Wahrnehmung und Performativität, in: Paragrana, Internationale Zeitschrift für Historische Anthropologie, Hrsg. von Erika Fischer-Lichte und Christoph Wulf, Akademie Verlag, Band 13, 2004, Heft 1, S. 15
- FRITZ, Jürgen: VORTRAGSPERFORMANCE zu der Reihe Performance Art in NRW, 1997, http://www.asa.de
- SEITZ, Hanne: Balanceakt mit Maske: Ich ist ein Anderer, in: Florian Vaßen u.a., Wechselspiel : KörperTheaterErfahrung, Brandes & Apsel, Frankfurt 1998, S. 26
- Unterrichtsempfehlungen für den Wahlpflichtbereich I, Darstellen und Gestalten, Gesamtschule, Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung, Nordrhein-Westfalen, 1999, S. 5-7
- VAßEN, Florian u.a.: Wechselspiel- Ein Vorwort, in: Florian Vaßen u.a: Wechselspiel: KörperTheaterErfahrung, Brandes & Apsel, 1998, S.9/10
- ZILLEßEN Dietrich/ GERBER Uwe: Und der König stieg herab von seinem Thron, Moritz Diesterweg, Frankfurt, 1997, S. 11
Eigene Veröffentlichungen
- Margarethe Thomasen: Performance im Zwischenraum. Grundlagen und Grundhaltungen kreativer Inszenierungen - im Schnittfeld von Beratung, Pädagogik und Darstellender Kunst; erscheint vorauss. im August 2008 im Counseling Halbjahrbuch, Humanistische Psychologie, Hrsg. Klaus Lumma, IHP Bücherdienst, Eschweiler/Aachen
- Klaus Lill und Margarethe Thomasen: DU:selbst, Selbstgesteuertes Lernen im Deutschunterricht, Barocklyrik, Schöningh Verlag, Paderborn, erscheint im Februar 2008
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