| Münsteraner Erklärung zur Erneuerung der Schulen und anderer Bildungshäuser |
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Der Raum wurde bisher in seiner Bedeutung für die Bildung unterschätzt. Er ist der "dritte Pädagoge“, neben den Erwachsenen und den anderen Kindern und Jugendlichen. Heute sind Schulräume meist Container, in denen Fächer unterrichtet werden, nicht Schüler. In der ästhetischen Verwahrlosung der Orte findet die innere Abwesenheit vieler Schüler und Lehrer ihren Ausdruck.
Der Umbau der Schulen und anderer Bildungshäuser zu Lernlandschaften
ist angesichts der Krise noch dringender geworden. Wie die
Finanzwirtschaft, die auf Bluff gesetzt hat, verführen manche
Schulrituale dazu Wissen vorzutäuschen: Es wird dann nur für die
Prüfung gelernt und schnell wieder vergessen. Nachhaltiges Lernen
braucht Räume, die dazu einladen, hellwach und ganz gegenwärtig zu
sein. An solchen Orten der Intelligenz entstehen der Eigensinn von
Individuen und „amor mundi“, die Liebe zur Welt. Lernen, wie es
Pisa-Studien messen, lässt sich dann gar nicht mehr vermeiden. Soll Lernen dazu befähigen, Zukunft zu schaffen, dann müssen wir heute Schulen, Kindergärten und Hochschulen zu Orten des Übergangs einer Industriegesellschaft zu einer Wissens- und Ideengesellschaft umbauen. Das bedeutet den Abschied davon, Menschen von außen zu steuern - auch in der Pädagogik. Stattdessen gilt es, den Willen und die Phantasie herauszufordern und die Selbstverantwortung zu stärken.
Das Konjunkturprogramm II von Bund und Ländern stellt 8,6 Milliarden Euro für Schulen und andere Bildungseinrichtungen bereit. Wir sehen darin eine Chance, überfällige Sanierungen mit baulicher und pädagogischer Erneuerung zu verbinden. Wir fordern Politiker auf, diesen Weg zu ermöglichen und das Geld nicht nur für Wärmedämmung und andere „energetische Maßnahmen“ frei zu geben. Die Schönheit von Schulen und anderen Bildungshäusern wäre keine „Kunst am Bau“, kein pädagogisches „Schöner Wohnen“ und schon gar keine „Kuschelpädagogik“. Der Münsteraner Konvent „Der dritte Pädagoge“ und andere Unterzeichner fordern, dass die von der großen Koalition in Gang gesetzte Grundgesetzänderung, die Bildungsinvestitionen des Bundes in dieser Länderdomäne ermöglichen soll, ohne Verzug beschlossen wird. Wir ermuntern die Kommunen und Länder, bei der Beantragung und Vergabe der Mittel mutig und phantasievoll vorzugehen, um ein besseres Lernen der Kinder und Jugendlichen zu unterstützen.
Wir stimmen mit Bildungsministerin Annette Schavan darin überein, dass jede Schule zumindest so schön und so gut ausgestattet sein muss wie die schönste Sparkasse der Stadt. Wir halten dieses für ein Bewertungskriterium, das manche andere überflüssig macht. Die Schönheit von Schulen und anderen Bildungshäusern ist nicht bloß „Kunst am Bau“, ist kein pädagogisches „Schöner Wohnen“ und schon gar keine „Kuschelpädagogik“. Ihre Schönheit ist Ausdruck unserer Haltung gegenüber Kindern. Schönheit ist ansteckend. Verwahrlosung auch. Wir brauchen Schulen als einladende Orte zur Bewährung und Erprobung, als Raum zur Entdeckung von Möglichkeiten und Potenzialen, als Orte, an denen man Fehler machen darf. Wenn Schüler Sachen um ihrer selbst willen tun und sie deshalb gut machen, sind diese Orte Zukunftswerkstätten geworden. Der Staat sollte seine Schulbaurichtlinien an den Erfahrungen gelungener Schulen orientieren. Dialoge von Pädagogen und Architekten sollten institutionalisiert werden, auch international. Der Staat kann diesen Umbau allein nicht steuern. Die Gesellschaft muss sich engagieren. Der Konvent "Der Dritte Pädagoge" in Münster war ein Anfang im Dialog von Pädagogen, Architekten, Künstlern und Politikern. Wir wollen ihn weiter entwickeln. Münster, 22. März 2009
Links
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Auf dem Konvent "Der dritte Pädagoge" des Netzwerks Archiv der Zukunft
in Münster wurde über den Umbau von Schulen und anderer
Bildungseinrichtungen zu Lernlandschaften beraten und die "Münsteraner
Erklärung" verabschiedet.
In Schulen und anderen Bildungshäusern sollten Kinder und Jugendliche nicht nur Pädagogen begegnen. Sie sollten dort auch Botschafter aus der tätigen Welt treffen: Handwerker, Künstler und Wissenschaftler. Lernlandschaften sollten auch für Werkstätten Raum bieten. Dann entstehen starke kulturelle Orte für unverwechselbare Menschen. Sie ermöglichen deren Verschiedenheit und kultivieren das Zusammenleben.
Dazu gehört, ungewöhnliche Projekte zu fördern. Zum Beispiel, wenn ein Polier in Rente Schüler beim Bau von Außenanlagen anleitet oder wenn Eltern eine verlassene Fabrik mit Handwerkern und Künstlern zur Erweiterung ihrer Ganztagsschule umbauen.