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Mit „Homo ludens“ in die Zukunft Drucken

Cooling Down Das Weltklimaspiel: „Cooling down!“
von Dr. Otto Ulrich

Das Weltklimaspiel: "Cooling down!" steht für einen spiel-didaktischen Ansatz, der so etwas wie "Weltbewußtsein" durch den Prozeß des Spielens entstehen lässt.


„Der Ursprung aller Kultur liegt im Spiel."
Johan Huizinga

Mullah Nasrudin hat seinen Schlüssel verloren. Sein Nachbar findet ihn, wie er auf den Knien herumrutscht und sucht.
„Was habt ihr verloren, Mullah?"
„Meinen Schlüssel," sagt Nasrudin.
Eine Weile suchen beide zusammen; dann sagt der andere: „Wo ist er Euch denn heruntergefallen?"
„Zu Hause."
„Ja, um Himmels Willen, warum sucht ihr denn hier?"
„Na, hier ist doch mehr Licht."

Zunächst, wer war Mullah Nasrudin?
In den Teehäusern des Mittleren Ostens wäre dies keine Frage. Seit Jahrhunderten werden dort die Geschichten von Mullah Nasrudin - eine Erfindung der Derwische - erzählt.

Es sind Weisheitsgeschichten; stets geht es darum, mit Witz und Humor erstarrte, also auch einseitig festgelegte Denkstrukturen zu lockern, sie sind Kreativitätslockerer, um Neuem eine Chance zu geben.

Aber nicht nur das: Auch die „Moral von der Geschicht" wird erkennbar und das „gewisse Etwas". Wer durch die Oberfläche der Bilder hindurchtaucht, findet, was Nasrudin-Erzählungen so modern machen: sie stellen Ebenbürtigkeit auf interkultureller Ebene her, wo eine Vielfalt von Stimmen zu Wort kommen muss.

Und genau darum geht es doch wohl, auf dem einzuschlagenden Weg hin zu einer globalen Miteinander-Kultur in Zeiten der Klimawende, wie sonst sollen wohlfeile Aufforderungen wie etwa „globale Partnerschaft", „globale Nachbarschaft", „globale Verantwortung" oder gar „Weltbewusstsein" in einen neu zu erobernden Alltag überführt werden?

Sollten sich Politiker ab sofort erst einmal über Geschichten von Mullah Nasruhin verständigen? Sollten es ausgerechnet orientalische Geschichten sein, in denen zu finden ist, was die heißer werdende Welt braucht aber offenbar im Spektrum konventioneller Orientierungen kaum oder gar nicht zu finden vermag: jenen Ansatz, einem Brennglas gleich, mit dem die beunruhigende Gewissheit, dass alles anders werden muss, wenn es anders werden soll, eben angemessen wie ungewöhnlich neu betrachtet werden kann?

Nun, mit Geschichten, ausgerechnet mit Geschichten von Mullah Nasrudin, da fängt das Neue schon an. Durch sie einen neuen Politiktypus zu erschließen, mag lächerlich klingen. Doch Mullah Nasrudin zeigt worauf es ankommt - beispielsweise, das Spiel als ernstzunehmenden Ansatz in die Suche nach neuen Ansätzen aufzunehmen!

Man muss auch dort suchen wo es „dunkel" ist. Wo das not-wendig zu betretende Neuland lauert, kommt niemand nur mit konventionellen Mitteln zurecht. Es gilt interkulturelle Lebensformen zur eingeübten Entfaltung wie Erfahrung zu bringen, die das nur formal tolerierte Fremde in ein lebendiges Gleichgewicht zu bringen vermögen. Die Zukunft braucht „interkulturell kompetente Persönlichkeiten", allein fähig, transkulturelle Lösungen überhaupt in den dafür sensibilisierten Blick nehmen zu können. Wie geht das?

Nasrudin-Geschichten verweisen auf noch zu entwickelnde didaktische Prozesse, Formen und Inhalte, die im Kontext „Globalen Lernens" helfen, Kreativität zu entfalten, Interkulturalität erlebbar und erfahrbar zu machen. Es gilt also „Überlappungen" verschiedener Methoden, Erkenntnisse, Interessen und Interpretationen überhaupt erst einmal aushalten zu können.

Aus dieser zukunftsträchtigen „Könnenschaft" erwächst eine interkulturelle Lösungskompetenz, allein geeignet, den geforderten neuen Politiktypus des 21. Jahrhunderts voranzubringen. Was heißt das?

„Globale Partnerschaft": Signatur in Zeiten des Klimawandels -
aber nicht nur dort!

Wir leben, weltweit, in Zeiten des Klimawandels, niemand - ob getauft oder ungetauft - kann sich diesem Prozess entziehen. Es fehlt wohl deshalb in kaum einer Rede, einer Studie, einem Memorandum, einem Kirchentag die noch uneingelöste, noch nur argumentativ bleibende Aufforderung, doch nun endlich zu einer „Menschheitsgemeinschaft", zu einer „globalen Nachbarschaft" zusammen zu wachsen.

Aus einem „Weltbewusstsein" heraus müsse nun endlich ein „Weltbürgertum" entstehen. Eindeutig eine zukunftsgewandte Vision, die allerdings nicht schon mit der Internetgemeinde erreicht ist und damit abhakbar wäre!

Es gilt, so ist mit Recht zu hören, zu einer sozialverträglichen, gerechten, einer menschenwürdeangemessenen Anpassung an die globale Herausforderung der Klimaaufheizung zu kommen - womit erkennbar wird: die kulturelle Dimension dieser Herausforderung ist zwar formulierbar, weil naheliegend, eine alltägliche Einlösung aber wohl noch lange nicht umsetzbar und wirksam - sie müsste erst einmal gedacht werden, neu.

Es fehlt die Erfahrung, die geforderte Miteinander-Kultur so leben zu können, dass Gerechtigkeit im Verhältnis zum Anderen - als Konsequenz des eigenen Handelns und „von selbst" - im gegenwärtigen Alltag erkennbar wird. Das DU im Anderen als Maxime des eigenen Handelns zu achten, dies steht, wie wir durch Martin Buber wissen, eindeutig für eine erst dann menschheitsgemäße Kultur. Wie wäre sie zu selbsttätig zu initiieren, zur Entfaltung wie zur Realität zu bringen?

Anders: es fehlt ein Trainingsfeld, ein Spielfeld, eine global-soziale Simulation, worin das, was jetzt - und das weltwelt - als menschheitsverbindende, als transkulturell wirksame Handlungsmaxime gefordert wird, unterhaltend, lehrreich - vor allem beziehungsreich - eingeübt werden könnte. Dabei mag der Blick auf das zu entdeckende Potential des „Spielens" fallen, denn im Spiel entsteht ein immer weiter wachsender Bereich von Beziehungen, umso differenzierter, je mehr gespielt wird.

So gesehen könnte das seriöse, in diesem Sinne intendierte (Lern-)Spiel als zukunftsöffnende Didaktik globalen Lernens das Instrument werden, geeignet, den im Spiel zu bewältigenden Dialog als fördernden „Umweg" an jener Baustelle zu verstehen, um die es eigentlich geht: durch Sprache zu einer sich entfaltenden Miteinander-Kultur, zu einem aufblühenden Beziehungsgeflecht zu kommen.

Weitere Reden, weitere neue Texte, viele gut gemeinte, auch weisheitsvolle Worte, also die Verfeinerung kognitiv-theoretischer Ansätze, sind wichtig, können aber nicht die allein sozial-integrierende Erfahrung des kooperierenden, auf sprachlicher Beziehung beruhenden Handeln-könnens (zunächst im Spielgeschehen) ersetzen. Auf diese sprachlich überbrückte und damit sozial verbindende Beziehungsfähigkeit wird es aber künftig allein ankommen.

Was aber wäre das einzig verbliebene, nicht ausgeschöpfte Potential, um den Reichtum der Kulturen, seine schlummernden Chancen zur Entfaltung zu bringen?

Das Spiel.

Das Spiel als Trainingsfeld um Neues, durch Sprache, präziser: durch das im Gespräch gefühlte und in Beziehung gebrachte in neue sozial werdende Realität hinüberzuführen.

Das Weltklimaspiel: „Cooling down!" als Fallbeispiel...

... schafft eine Realität, die durch den Prozess des Spielens permanent sprachlich ausgedrückte Beziehungsbrücken zwischen den Spielern herstellt. Dies ist eine durch Testspiele mehrfach bekundete Tatsache, die „Cooling down!" - im Sinne von Mullah Nasrudin, also um die Ecke gedacht - interessant macht, und nicht nur das!

Zur Spielidee:
Eine Energiewende ist notwendig. Die Klimaaufheizung schreitet voran, die globalen Naturkatastrophen nehmen zu. Die Spieler - sie repräsentieren die Weltgemeinschaft - haben aber nicht mehr viel Zeit, den weltweiten Anstieg des Treibhausgases Kohlendioxid entscheidend zu senken. Im Stress des global ausgelegten Weltspieles lernen sie, was es heißt, Verantwortung für die Zukunft der Atmosphäre und damit für das künftige Klima der Erde und seiner Bewohner zu übernehmen. Das Spiel ist ein spannendes Trainingsfeld für werdende Weltbürger, eine Chance, weltverantwortliches Handeln spielerisch einzuüben.

Die Lobby von „Weltmacht Energie" setzt weiter auf die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle - und das „grüne CO2" der weltweiten Rinderherden muss auch beachtet werden. Ein massiver Ausbau der Atomkraft wird vorbereitet - das Zeitfenster wird immer enger, doch noch einen nachhaltigen Zukunftspfad, etwa den „sanften Energiepfad", zu erreichen. In welchem Zustand wird die Welt im Jahre 2050 sein? Wird es gelingen, die CO2-Emissionen um 50 Prozent zu reduzieren - nach einem Spieldurchgang von 60 Jahren? Was passiert wenn die Erderwärmung trotz „grüner" Energien weiter steigt? Landen wir alle wieder in der „Kuhdung-Kultur"?

Ziel des Spieles ist vorrangig die Vermittlung von Zusammenhangswissen zwischen Klimaaufheizung, Energiealternativen und globalen Katastrophen als Folgen des Klimawandels - spannend, unterhaltend und lehrreich! Unweigerlich erwächst den Spielern (etwa Schülern) ein Gefühl der Verantwortlichkeit des Handelns für die Zukunft der Atmosphäre und damit des Lebens auf der Erde - was zu dichten, über Kommunikation laufende Beziehungsmuster führt, die Neues, auch im sozialen Alltag, vermuten lassen.

Nebenziel von „Cooling down!" ist die Einübung in kommunikativ unterstützte soziale Fähigkeiten, um im spielorientierten Dialog zu „vertrauensbildenden" Gemeinsamkeiten in der Absprache von Entscheidungen zu kommen.

Zielgruppe: Vordergründig wendet sich das Spiel an junge Menschen ab 14 bis 16 Jahren aufwärts, die an den neu sich stellenden Aufgaben einer humanen und nachhaltigen Bewältigung der absehbaren Folgen des Klimawandels interessiert sind oder interessiert werden sollten - an Schulen, Betrieben, Universitäten, auf Konferenzen - und am Familientisch!

Dem „Homo ludens" die Zukunft überlassen

Das Wort „spielen" hat im deutschen Kulturkreis einen negativen Beigeschmack. Spielen, das dürfen Kinder und, nach klarsten Regeln, gelegentlich auch mal die Erwachsenen. Niemals darf aus dem Spiel mehr werden als Spaß. Mit der Realität, so will es die kulturelle Realverfassung in Deutschland, spielt man nicht.

Das Gegenteil ist richtig.

Friedrich Schillers bekannter Satz vom „Menschen, der nur da ganz Mensch ist, wo er spielt" ist kein romantisches Gefasel, sondern eine recht rationale Feststellung. Das Spiel und sein Rohstoff: Entfaltung von Vertrauen wie Kreativität - manchmal auch Kooperationsfähigkeit - durch sprachlich getragene Beziehungsbrücken ist weitgehend noch unentdeckt - und das ausgerechnet in Deutschland, eben dem Lande Friedrich Schillers.

Johan Huizingas Studie über den spielenden Menschen („Homo ludens") ist vor fast 70 Jahren erschienen, niemand hat ihr bisher ernsthaft widersprochen.

Das Spiel öffnet die Chance für ein: „Thinking outside the box", also die Chance, im Geschehen des Spieles ergebnisoffene Situationen zu schaffen, die durch Kreativität, Kooperation, Glück und (Verhandlungs-)Geschick und - eben (Ab-)Sprachen - erobert werden wollen.

Das ist allein das Geheimnis gelungener didaktischer Lernspiele: Sie helfen sprachliche getragene und damit gefühlte Erfahrungen der Ebenbürtigkeit zu machen, mit sich selbst, aber vor allem mit dem anderen, um dann, spielerischer geworden, mitten im „Neuen" - Mullah Nasrudin hätte seine Freude - wie selbstverständlich, die Vertrauensbrücken zum anderen, dem plötzlich nicht mehr ganz so Fremden, beziehungsgetragen gehen zu können, selbstverständlicher!

Die Miteinander-Kultur, sie wäre, über das spielerische Erobern des Spieles, über das sprachlich zu entfaltende Beziehungsgeflecht zwischen den Mitspielern ein Stückchen weiter auf den (Vertrauens-)Weg gebracht worden. UND: Das so zukunftswichtige, nur individuell herauszubildende Qualifikationsprofil hin zu einer aus Erfahrung gewachsenen interkulturell kompetenten Persönlichkeit wird - so nebenbei - ein Stück weiter komplettiert.

Genau das braucht wohl die Zukunft: Die qualitativ neuen sozialen Herausforderungen - seien es die global-kulturellen Folgen der KlimaUN-Gerechtigkeit, die nicht-gelingende, die stotternde sozio-kulturelle Vertrauensbildung zwischen Fremdheiten durch eine Kreativitätsförderungsinitiative an der Stelle entscheidend voranzubringen, um die es geht:

Den Menschen aus dem Joch der Strukturen und Verfahren herauszuholen, ihm die Chancen zu öffnen, die Überlast der Blockaden, der Routinen durch spielendes Mit-Einander zu überwinden, den Zugewinn an Kreativität, der stets wertfrei sein wird, mutig den Weg zu neuen Ideen oder zum Mitmenschen - getauften wie ungetauften, wer fragt dann noch danach? - zu öffnen.

Das Spiel: „Cooling down!" ...

Cooling Down

... im Test der 12. KlässlerCooling Down

Cooling down!", das Weltklimaspiel, ist vom Autor entwickelt, es wird zur Zeit getestet und in die englische Sprache übersetzt. Es soll weltweit zum Einsatz kommen, idealerweise in Schulklassen, die, so sie multikulturell zusammengesetzt sind, den spielenden Schülern „so nebenbei" nicht nur Zusammenhangs- und Handlungswissen zum Klimawandel prozesshaft vermitteln, sondern sie auch - das ist das verdeckte Ziel - erfahren und erleben lassen, was es heißt, in Kooperation, als „Weltgemeinschaft", sprachlich ebenbürtig, um die gemeinsame Zukunft der Erde zu ringen.



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