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Meeting and Creating Challenge – Dance as Education Drucken

„Meeting and Creating Challenge – Dance as Education" - Streckt euch, macht euch so lang ihr nur könnt“

Manchmal komme ich in eine Gruppe und sage: „Streckt euch, macht euch so lang ihr nur könnt“ – und viele strecken sich dann nicht sehr weit. Das ist für mich eine klare Aussage es soll heißen: „Ich bin es nicht wert mich so hoch zu strecken. Ich habe nicht das Recht hier zu sein.“ Und ich muss ihnen sagen: „Hier bin ich und ich strecke mich lang.“

In meiner langjährigen Zusammenarbeit mit Grundschülern, Gefängnisinsassen, Traumatisierten oder Straßenkindern habe ich erfahren können, dass in jedem ein Tänzer steckt und jeder das kreative Potenzial eines Künstlers besitzt, das durch Vertrauen und den Glauben an das Besondere jedes Individuums gefördert wird.

Diese Haltung mag vielen zunächst befremdlich erscheinen, zum einen, weil eine solche Einstellung ungewöhnlich sein mag, zum anderen, weil sie selbst nicht an ihr eigenes kreatives künstlerisches Potential glauben – welches meiner Ansicht nach jedoch grundsätzlich Teil eines jeden Menschen ist.

Nicht, dass nun Missverständnisse entstehen, dass die Entwicklung der Schritte der einzige kreative Teil der Arbeit ist. Ich schaffe zwar ziemlich straffe Strukturen. Auf der Bühne aber sieht man in erster Linie Leute, die diese Struktur auf ihre eigene Weise interpretieren. Man sieht Individuen. In der Arbeit bin ich sehr kritisch, nicht, weil jemand einen Schritt nicht richtig kann oder das Bein nicht in die richtige Position bringt, sondern wenn Motivation und Hingabe fehlen, wenn es am Respekt vor der Arbeit, vor sich selbst und den anderen mangelt. Auf diese Dinge lege ich allergrößten Wert. Ich forsche nicht an der Bewegung. Ich arbeite am Engagement der Person, am Einlassen des Einzelnen auf den Prozess, in dem man sich anders erfährt als man sich bisher gesehen hat. Es geht um eine Erfahrung der Transformation.

Dabei sind Scheitern, verfehlen, etwas nicht gleich können die Grundlagen für das Gelingen. Der ganze Prozess in dieser Arbeit beruht tatsächlich auf dem Scheitern, und zwar Tag für Tag, Stunde für Stunde. Und dieser Situation kann man unter keinen Umständen entkommen. Denn wenn man nicht scheitert, lernt man nicht und entwickelt sich nicht. Scheitern ist hier eben nicht negativ, sondern positiv besetzt, es ist kein End-, sondern ein Ausgangspunkt. Es ist der Weg, wie wir wachsen und weiterkommen. Jeder Tänzer, jeder Künstler ist damit bestens vertraut. Wir probieren, verwerfen, üben, verfeinern. Das ist etwas, was wir hegen, was uns motiviert und weiter bringt. Aber viele junge Leute haben sehr viel Angst davor, zu scheitern. Vielleicht werden sie zu wenig ermutigt.
Als Künstler arbeite ich hauptsächlich an Choreographien mit meinen Tänzern. Das Lernen ist dabei ein ganz natürlicher Prozess. Ich arbeite nicht nach Methoden. Vielmehr halte ich mich an eine Philosophie und den Glauben, nach der die Welt und die Menschen grundsätzlich positiv geprägt sind. Was natürlich nicht heißt, dass man sich nicht darüber informiert, was in der Welt passiert – im Gegenteil. Man muss akzeptieren, dass es eine Menge Schlechtes in der Welt gibt, lernen, damit zurechtzukommen und die Menschen zu lieben. Denn sie haben, das ist meine Erfahrung, von sich aus ein starkes Bedürfnis, in jeder Hinsicht gut zu sein. Wenn man diese Grundüberzeugung nicht hat oder nicht entwickelt, kann man alle Theorien lernen und hat doch nichts zu geben.

Mit meiner Einstellung habe ich meine eigenen Theorien entwickelt. Sie ermöglichen es mir, mit jedem, aber auch jedem Menschen zu arbeiten. Theoretisches Wissen sollte man sich erst nach einer Zeit praktischer Arbeit aneignen. Zuerst muss man lernen, sich nicht als Erzieher zu sehen, sondern als Mensch, der mit anderen Menschen arbeitet. Man muss lernen, wie man mit Leuten umgeht, wie man sich öffnet und wie man teilt. Daher benutze ich im Allgemeinen nicht den Begriff „Bildung“ ich nenne es „Erwachsene, die ihre Leidenschaft und Erfahrung mit Kindern teilen. Ich appelliere daran, mehr Raum in den Lehrplänen der Schulen für dieses Verständnis von Bildung zu fördern.

Eine Schule sollte dafür in beide Richtungen durchlässig sein. Kinder sollten die Schulen zum Lernen verlassen können und andere Menschen sollten an die Schulen gehen können, seien es Tischler oder seien es Geschäftsleute, wer auch immer. Schulen sollten ein Treffpunkt sein, kein Ghetto, in das Sie ihr Kind bringen und ihm sagen: „Auch wenn alles wirklich Interessante außerhalb der Schule stattfindet, Du wirst die nächsten 15 Jahre hier sitzen und sie werden Dich in völliger Isolation unterrichten.“ Das scheint mir der schlechteste Weg.

Der beste Weg geht für mich über das Fördern einer gesunden Gesellschaft. Dies bedeutet eine Gesellschaft, die Fairness und das Akzeptieren von Unterschieden unterstützt, eine Gesellschaft, die alle ihre Mitglieder gleichermaßen schätzt und die sie mit all den Mitteln ausstattet, mit denen diese sich Gehör verschaffen können, die ihnen eine Stimme gibt und Kreativität und Neugier fördert.



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