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Großes Theater in der Pubertät. Drucken

Lernen in Projekten mit Künstlern

Wochenlang vom regulären Unterricht freigestellt, arbeiten Schulklassen mit Künstlern an einer Theaterproduktion – Beispiele aus Konstanz, Potsdam und Wiesbaden suchen Nachahmer.

Als die ersten Theaterkünstler Anfang der Neunziger an die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden kamen, stand die Kunst oft im Widerspruch zum organisierten Schultagesablauf. So viel Wichtiges war in Vorbereitung des Auftritts zu besprechen, so viele Aufgaben dringend zu erledigen, dass ein Regisseur die mit ihm arbeitenden Schüler manches Mal aus dem Unterricht holte. Falls die engagierten Jugendlichen überhaupt dort erschienen waren! Nichts war für die Projektbeteiligten wichtiger als die baldige Premiere und fast immer kam es darauf an, die Dinge sofort und nicht erst nach dem Unterricht in Angriff zu nehmen.

Der Aufruhr hat sich gelegt, obwohl an dieser Schule mittlerweile bis zu sechs Künstler gleichzeitig zu Gast sind. Den Lehrern ist es gelungen ihre Arbeit so weiterzuentwickeln, dass die permanent Grenzen austestenden Theaterprojekte ihre Schule eben deshalb bereichern, anstatt sie zu stören. Aus Überzeugung gewähren sie dem Theater heute alle Freiräume, die es braucht. Jede neunte Klasse arbeitet beispielsweise fünf Wochen lang intensiv an einer Theater- oder Filmproduktion. Der reguläre Unterricht wird in dieser Zeit ausgesetzt.

Dass so etwas möglich ist, verwundert. Lehrpläne sind schließlich verbindlich. Keine Schule kann Vorgaben der Kultusministerien und Schulämter in Bezug auf Unterrichtsstandards, Stundenausfälle oder Leistungsabfragen ignorieren. So wird das Theater spielen in der Regel schulischen Begebenheiten angepasst: in Arbeitsgemeinschaften, als Ganztagsangebot oder als Lehrfach Darstellendes Spiel.

In der Arena „Großes Theater in der Pubertät“ diskutieren

Armin Beber, Spielleiter an der Theaterakademie des Theater Junge Generation in Dresden, Andreas Rech, Theaterlehrer an der Helene-Lange-Schule Wiesbaden, und Dr. Waltraut Liebl-Kopitzki, Leiterin des Amtes für Schulen, Bildung und Wissenschaft in Konstanz, die Ausnahme von der Regel. Was zeichnet mehrwöchige intensive Theaterprojekte mit Jugendlichen aus? Was leisten die beteiligten Jugendlichen dabei? Zu welchem Preis? Vor welchen Hürden stehen Künstler, Pädagogen und Jugendliche, die derartige künstlerische Freiräume in ihrer Schule schaffen wollen?



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