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Auf WDR.de von Stephan Lüke
Experten wollen mehr Spielraum bei der Nutzung des Geldes aus dem Konjunkturpaket II zugunsten der Bildung. Die Kommunen sollen nicht nur in die energetische Sanierung, sondern auch in den Umbau zu Lernlandschaften investieren.
Mehr Fantasie beim Lernen
"Viel zu lange haben wir versucht, Schülerinnen und Schüler ähnlich wie
Container mit Wissen abzufüllen", sagt der Initiator des bundesweiten
Netzwerks "Archiv der Zukunft", Reinhard Kahl vor 450 Bildungsexperten
am Wochenende (21./22.03.09) in Münster. Die Fachleute klagen: "Eben
deshalb sehen deutsche Schulen aus wie sie aussehen. Klassenzimmer an
Klassenzimmer - Container halt". Das Netzwerk will Schule Schritt für
Schritt verändern. Sie soll sich weg vom Belehren hin zum
eigenständigen Lernen der Kinder entwickeln.
Hirnforscher: Container haben fatale Folgen
Welche Auswirkungen die Umgebung auf die Lernsituation der Kinder hat,
machte der renommierte Hirnforscher und Neurobiologe Gerald Hüther
deutlich. "Container sind keine einladenden Orte, an denen sich Kinder
wohl fühlen, an denen sie gerne lernen." Er fügt hinzu: "Kinder sind
Entdecker, besonders wenn die Umgebung sie herausfordert." Entdecken
aber ist nach seiner Einschätzung die Voraussetzung für eigenständiges
und erfolgreiches Lernen.
Vorbild: Wartburg-Grundschule in Münster
Dass dies funktionieren kann, belegt die etwa Wartburg-Grundschule in
Münster. Herkömmliche Klassenräume sind hier tabu, Lerninseln, eine
offene Bibliothek, farbig gestaltete Räume und die Einbeziehung der
Außengelände als pädagogisches Konzept haben sie zu einer der
erfolgreichsten Grundschulen Deutschlands wachsen lassen. Jüngst wurde
sie mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet.
Nicht nur nach Ansicht des Neurobiologen Hüther sollten Schulen wie
diese Vorbild für die Veränderung von Bildungseinrichtungen sein. In
Münster forderten die Fachleute am Sonntag (22.03.09) die Länder und
Kommunen auf, das Geld aus dem Konjunkturpaket für eine "pädagogische
Architektur" zu nutzen. "Der Staat sollte seine Schulbaurichtlinien an
den Erfahrungen gelungener Schulen orientieren. Dialoge von Pädagogen
und Architekten sollten institutionalisiert werden", heißt es in einer
Erklärung.
Hindernis Föderalismusreform
Den Forderungen der Bildungsexperten steht allerdings eine Hürde im
Weg: nach der jüngsten Föderalismusreform stehen dem Bund keinerlei
Befugnisse im Bildungsbereich zu. Das hat zur Folge, dass das Geld aus
dem Konjunkturpaket zwar für Energiesparmaßnahmen, nicht aber für
Veränderungen der "pädagogischen Landschaft" und Bildungsqualität
genutzt werden dürfen. Genau das aber hatte die Bundesregierung bei der
Verabschiedung des 8,6 Milliarden schweren Programms in Aussicht
gestellt. Die Einrichtung einer Kantine, wie es sich etwa ein Bonner
Gymnasium als Verbesserung ihres angestrebten Ganztagsangebots erhofft,
ist nur mit der Änderung des Artikels 104b des Grundgesetzes möglich.
Deshalb fordern die Kongressteilnehmer die Große Koalition in Berlin
auf, die geplante Grundgesetzänderung, die auch Investitionen des
Bundes in die Bildungsqualität der Schulen in den Ländern ermöglicht,
schnell abzuschließen.
2,8 Milliarden Euro für NRW
Nordrhein-Westfalen erhält aus dem Konjunkturpaket rund 2,8 Milliarden
Euro. Davon reicht das Land 84 Prozent an die Städte und Gemeinden
weiter. Viel mehr als die vom Bund festgelegten 70 Prozent. Zahlreiche
Bürgermeister, bei denen sich die Wünsche von Schulen und
Kindertageseinrichtungen inzwischen stapeln, und der Städtetag NRW
fordern daher schnelle Klarheit, wofür das Geld genutzt werden darf.
Dem schließt sich auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE), sowohl
auf Landes- als auch auf Bundesebene an. Dem aus NRW stammenden
Bundesvorsitzende Udo Beckmann reicht es nicht, dass
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück wie angekündigt bei der Verwendung
der Gelder durch die Kommunen ein "Auge zudrücken will". Das sei das
Gegenteil von Rechtssicherheit, die die Kommunen unbedingt benötigten.
Beckmann fordert: "Das Konjunkturprogramm darf nicht als
Investitionsprogramm für den Bildungsbereich verkauft werden, solange
es sich in energetischer Sanierung der Schulen erschöpft. Es muss in
Bildungsqualität investiert werden."
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