Nach dem Erfolg dieses Wochenendes werden das Theater und das Archiv der Zukunft das Projekt „Bildung“ in Freiburg durch die kommende Spielzeit ziehen.

Träume von der Schule und vom Lernen sollen in Ideen, Vorschläge und schließlich andere Wirklichkeiten verwandelt werden. Am Ende der Spielzeit wird am 17. und 18. Juli 2010 auf allen Bühnen, in Werkstätten und anderen Räumen des Theaters Freiburg die Bildung inszeniert, geträumt, gedacht und gefeiert.
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Sonnabend Vormittag. Das Theater Freiburg füllt sich. Erst viele kleine Gespräche.
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12 Uhr. Das große Haus ist voll. Alle 860 Plätze sind besetzt. Einige müssen sich mit der Videoübertragung im Foyer zufrieden geben.
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Gerald Hüther spricht. Thema des Neurobiologen: „Ohne Gefühl geht gar nichts.“ Menschen lernen nur, wenn ihnen etwas unter die Haut geht.
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Nie lernen wir wieder so viel, sind so neugierig und begeistert wie als Kinder. Hüthers Frage: Wie erhalten wir in der Schule das Lerngenie der Kinder?
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„Die Ökonomisierung der Ausbildung führt den Lernbetrieb in einen angestrengten Leerlauf. Zensuren und Credit-Points haben sich zu Zielen verselbstständigt. In deren Schatten sind Wissen und Können zweitrangig geworden sind. Von Bildung kann häufig gar nicht mehr die Rede sein. In den Lernfabriken schrumpft Zeit. Dabei heißt
doch der Kern der europäischen Bildungsidee „Scholae.“
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Das bedeutete in der Antike „Muße“, „frei sein von Geschäften.“ Muße ist auch ökonomisch gesehen produktiver als Bluff. Wenn sich Schüler und Studenten nicht länger wie Betriebswirtschaftler
ihrer selbst verwerten wollen, brauchen sie Ermutigung und
Unterstützung.
Wenn sie sich über ihr Bulimielernen ekeln und nun fragen, ob ihre
Zertifikate, im Zweifelsfall so leer sind wie manche Derivate auf den
Finanzmärkten, dann brauchen sie Verbündete, die mit ihnen die Bildung
neu denken.
Bloß zu funktionieren und sich durchzuschlagen, kann kein Bildungsziel sein.“
aus der Freiburger Erklärung |
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Am Nachmittag wurde in Werkstätten gearbeitet. „Wände einreißen“ war das Thema im Malsaal. Wie werden herkömmliche Belehrungsräume zu Lernräumen umgebaut? Wie wird die Schule eine Lernpolis? Der Architekt Peter Hübner, die Pädagogin und Innenarchitektin Doris Fratton, Peter Fratton, der in der Schweiz „Häuser des Lernens“ gegründet und der Rolf Schönberger, Leiter einer staatlichen Sekundarschule Kanton Thurgau bereichten von ihren Arbeiten...
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...Gutes Material ist für Doris Fratton ein Medium von Wertschätzung. Dinge haben etwas zu erzählen. Stumme Dinge sind eine Beleidigung. „Der Raum ist der dritte Pädagoge“, dieser häufig zitierte Satz von Loris Mallaguzzi, dem Spiritus Rector der Reggio Pädagogik, ist allerdings ein in den allermeisten Schulen tagtäglich ignorierter. Die Räume werden als bloße Container für den Unterricht angesehen, so wie auch Schüler immer noch als Fässer behandelt werden, die zu füllen sind...
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...Mit dem Umbau, zumindest mit der Verschönerung der Räume kann man sofort beginnen.... |
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...Dass die Umgebung für die Bereitschaft zu denken, ganz wach und voll da zu sein entscheidend ist, erlebten die Teilnehmer hier im Theater als Selbstversuch.
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Die Themenwerkstätten im Theater Freiburg waren geprägt von der Atmosphäre des Hauses. Es ist ein Ort, an dem Menschen aus sich heraus treten..
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...sich exponieren. Auch Schauspieler fürchten zuweilen vor Aufführungen zu sterben und sind dann wieder wie neu geboren.
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In der Werkstatt „Wurzelbehandlung der Langeweile“ wurden gezeigt, wie Theater die Schüler, die Schule und auch Lehrer verändert. Beispiele aus Linz, Wiesbaden und Potsdam wurden vorgetragen.... |

...Theater ist ein Verwandlungsmedium. Kinder und Jugendliche kommen dabei in erstaunliche Metamorphosen. „Wer viel Theater spielt, wird auch gut in Mathematik,“ sagte Enja Riegel, langjährige Leiterin der Helene-Lange-Schule Wiesbaden. Gab es dort die Spitzenergebnisse bei Pisa obwohl oder weil Fachunterricht für Theaterprojekte geopfert wurde?
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Körper, Sinne, Bewegung. In einer anderen Werkstatt wurde eine Minioper kann an einem halben Nachmittag erfunden und eingeübt...
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...Der Regisseur und Musikpädagoge Markus Kosuch und die Teilnehmer der Werkstatt erlebten und zeigten, wie ökonomisch es ist mit allen Sinnen zu erleben, zu lernen und zu handeln. |
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Auf die Werkstätten folgte wieder ein Bildungsdiskurs: „Alptraum und Traum – höchste Zeit für einen Schule zum Lernen“. Lernen ist das Gegenteil von belehrt werden. Lernen können die Lernenden immer nur selbst. Dafür allerdings müssen Gelegenheiten und Atmosphären geschaffen werden.
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Das Gespräch war bei „Schulen träumen im Theater“ das wichtigste Medium. Es braucht Stimulation, auch Provokation und vor allem eine guten, geschützten Raum...
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... wie das Theater. Sicherheit und Zufriedenheit sind eine Voraussetzung auch den Irrtum zu wagen, von dem Friedrich Schiller sagte, dass er das Leben ist. |
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