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Es spielt die Welt... - auf Jugendfarmen und Aktivspielplätzen Drucken

logo-jugendfarmenvon icon_loginHannelore Ohle-Nieschmidt

 Sägen, Hämmern, Strohballenburgen bauen, Ziegen melken – einen Tag lang machen die Mitglieder vom Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze (BdJA) zwischen Ost- und Bodensee die tollsten Aktionen. Dieser schöne Spuk muss nach dem Weltspieltag nicht vorbei sein. In fast 100 Städten Deutschlands gibt es 170 Jugendfarmen mit besonderen pädagogischen Konzepten.

stechbeitel_freigegebenUngestörtes Spielen, altersgemäße aktive Erholung und die Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben ist ein Grundrecht unserer Kinder, so steht es in Art. 31 der UN-Kinderrechtskonvention. Die Realität sieht anders aus. Eingezwängt zwischen tausenderlei Anforderungen der Schule, unterfordert in einer einseitig konsum- und profitgesteuerten Freizeitwelt, die passiv macht anstatt Lebensgeister zu wecken, können Kinder heute kaum noch ihre eigenen Stärken wahrnehmen und entfalten oder sich gar selbstvergessen dem Spiel hingeben.

Hinzu kommen die hohen Ansprüche der Eltern. Sie möchten, dass ihre Kinder möglichst viel lernen, damit sie im Leben und im Beruf erfolgreich sind. Aber das Lernen durch Ablesen und Wiederholen dessen, was andere schon gedacht und in Bücher geschrieben haben, ist äußerst mühsam. Der Weg zum Erfolg führt ohnehin oft über Umwege. So ant-wortete der Hirn- und Lernforscher Gerald Hüther einmal auf die Frage einer besorgten Mutter danach, was sie denn noch tun könne, damit ihre Tochter endlich das Einmaleins lerne: „Gehen Sie mit ihr Angeln“.

Spielen ist Lernen

Konzentration, Ausdauer, Geduld und Empathie, naturwissenschaftliche Phänomene und Regeln erkennen, Herausforderungen annehmen, den Umgang mit Scheitern und Erfolg erlernen, Interessen entwickeln – all das sind Erfahrungen, die Kinder im Spiel machen. Schon Ende der 80er Jahre wies der amerikanische Glücksforscher Mihaly Csziszentmihalyi den Zusammenhang zwischen dem Bestehen von Herausforderungen und Glücksgefühlen nach. So werden Kinder stark fürs Leben.

sgen_quelle_bdjaViele Erwachsene sehen im Spielen allenfalls eine Belohnung für disziplinierte Lernphasen – mit dem Ziel, für die nächste Lerneinheit wieder ‚auf der Höhe’ zu sein. So bleibt es stets wichtiger ‚etwas Vernünftiges’ zu tun – und je älter das Kind, desto kürzer die Spielphasen.

Deshalb sind die Erwachsenen herzlich eingeladen, ihre Kinder beim Weltspieltag zu beobachten – beim Striegeln, Füttern, Hämmern, Spin-nen, Drechseln, Forschen, Gestalten und im Austausch mit anderen auf einer Jugendfarm in ihrer Stadt. Sie werden entdecken können, dass ihre Kinder Enormes lernen, während sie „nur“ spielen. Hier finden Kinder nämlich, was in der Schule auch heute noch zu oft fehlt: Bedingungslose Zuwendung, vorbehaltlosen Respekt, Freiheit ohne dauernde Beobachtung - wie in den „Ferien auf Saltkrokan“, dem wunderbaren Buch von Astrid Lindgren.

Aktionen in vielen Städten

Am Weltspieltag beteiligen sich die Jugendfarmen Köln, Wuppertal, Dresden, Bonn, Hannover, Heilbronn, Freiburg, Würzburg, Wiesbaden, Dreieich, Bremen, Böblingen und Stuttgart mit Spiel-Aktionen verschiedenster Art. Auskünfte erteilt die Pressestelle des Bundes der Jugend-farmen und Aktivspielplätze in Dreieich. In Friedberg, einer Kreisstadt nördlich von Frankfurt am Main wird an diesem Tag gar ein Verein gegründet, der den Menschen vor Ort in naher Zukunft die Vielfalt einer Kinder- und Jugendfarm zur Verfügung stellen wird.

Das Deutsche Kinderhilfswerk e. V. ist Koordinator aller Weltspieltag-Aktionen in Deutschland www.dkhw.de

os_kirche_2Über den BdJA

Vor über 40 Jahren wurden die ersten Jugendfarmen Deutschlands gegründet. Der Bund der Jugendfarmen und Aktivspielplätze (BdJA) vertritt heute 150 pädagogisch betreute Spielplätze im deutschsprachi-gen Raum. Kindern und Jugendlichen stehen Gestaltungsmöglichkeiten offen, die heute – insbesondere in Großstädten – verloren gegangen sind. Hier können sie Erfahrungen machen, die sie stark machen für ein selbstbestimmtes, reflektiertes Leben, gegen zerstörerische Gedanken und Gefühle.

Es werden Bedürfnisse befriedigt, die evolutionär geprägt sind: Erlebnishunger, Forschergeist, Neugier, Bewegungsfreiheit. Kinder lernen, sich etwas zu trauen und sich selbst etwas zuzutrauen. Auf pädagogisch betreuten Spielplätzen werden wirksame Spielarten des profunden Konzeptes der Offenen Kinder- & Jugendarbeit praktiziert.

Pädagogisch betreute Spielplätze sind wesentlicher und wichtiger Baustein außerschulischer Bildung. Die von der OECD für das deutsche Schulsystem geforderte Bildungsgerechtigkeit ist seit jeher prägender Bestandteil ihrer Arbeit. Das ausgebildete Fachpersonal der Jugendfarmen und Aktivspielplätze arbeitet auf Augenhöhe: respektvoll, einladend, zugewandt.



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