Einladung zu Theater träumt Schule in Freiburg Drucken

Newsletter vom 16. Mai 2009

Liebe Mitglieder im Netzwerk,

liebe Freunde des Archiv der Zukunft - Netzwerks,

am Wochenende 20. / 21. Juni 2009 starten wir ein neues Projekt:

„Theater träumt Schule“, (tts). 

Es beginnt im Theater Freiburg.

Am Sonntagnachmittag dieses Wochenendes findet im Freiburger Theater auch die jährliche Mitgliederversammlung des Netzwerks statt. 

Wir haben wieder mal Glück. Um das Freiburger Theater herum wird es an diesem Wochenende festlich zugehen. Samstagabend wird sich durch die Altstadt vom Theater Freiburg zum Theater im Marienbad ein Mittsommernachtstisch ziehen. Mehr als einen Kilometer lang. Sich eine gelungene Schule ausmalen und über ihre Verwirklichung beraten, wird auch in diesen Sommernachtstraum gehören.

Anschließend gibt es auf dem Platz vor dem Theater Freiburg eine Feuerwerksinszenierung und eine Mittsommernachtsparty.

 

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Auf die Frage, wie man sich das Weiterweben des Netzwerks idealerweise vorstellen soll, müsste  man von „Theater träumt Schule“ erzählen, vom Traum, vom Ursprung und davon, wie sich das Projekt so schnell und gut entwickelt hat.

Aber fangen wir mit dem vorläufigen Ergebnis an:

Am Wochenende 20. / 21. Juni beginnen in Freiburg die Baden-Württembergischen Theatertage.

Der Schwerpunkt am ersten Wochenende heißt:

„Schule träumen im Theater“.

Veranstalter sind das Theater Freiburg zusammen mit dem Netzwerk Archiv der Zukunft und der in Freiburg entstandenen Elterninitiative „Schule mit Zukunft.“

Am Samstag öffnet um 11 Uhr das Theater.

In den Foyers werden von Schülern gemachte Fotos vom geheimen Leben der Schule erzählen. An Themen-Tischen darf die Traumarbeit beginnen. Auch ein Schwarzmarkt der Ideen ist erlaubt. Lernaufwiegler sind ebenso eingeladen wie Musterschüler.

12 Uhr Großes Haus

Gerald Hüther - Ohne Gefühl geht gar nichts! Worauf es beim Lernen ankommt

huetherGerald Hüther ist Professor für Neurobiologie und Gründungsmitglied des Netzwerks Archiv der Zukunft. Er leitet die Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung an den Universitäten Göttingen und Mannheim/Heidelberg.

Gefühle standen lange Zeit unter Generalverdacht. Gemessen an der Vernunft galten sie als minderwertig. Aber durch Gefühle entsteht Bedeutung. Gerald Hüther plädiert dafür Geist, Haltung und die Atmosphäre in Schulen und anderen Bildungshäusern zu erneuern.

Hüthers Antwort auf die Frage, worauf es beim Lernen ankommt:

Lohnende Aufgaben! Glaubwürdige Vorbilder! Gemeinschaften! Diese drei Elemente sind unverzichtbar, wenn wirklich gelernt und nicht nur ängstlich kopiert werden soll. Lernen ist auch ein Wagnis.


14 bis 16:30 Uhr 

Vier Werkstätten gleichzeitig

I. Malsaal

Wände einreißen!?

Im Malsaal geht es um die Architektur der Schule und um die „Choreographie“ des Alltags im Klassenzimmer. 

Peter Hübner, Doris und Peter Fratton sowie Rolf Schönenberger präsentieren und diskutieren mit den Teilnehmern. 

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Professor Peter Hübner hat viele Schulen gebaut oder umgebaut. Zum Beispiel die Evangelische Ganztagsgesamtschule in Gelsenkirchen. Er kritisiert den heimlichen Militarismus und die Dummheit der gewöhnlichen Schularchitektur. Nicht wenige Neubauten erinnern ihn an Lernvollzugsanstalten.

Doris und Peter Fratton haben mit anderen Pädagogen in der Schweiz völlig neue Innenräume fürs Lernen erfunden. Sie sehen nicht mehr wie Schule aus. Lehrer heißen auch nicht mehr Lehrer, Schüler nicht mehr Schüler und die Schule ist nun das „Haus des Lernens“. Nicht weit entfernt von Romanshorn, wo Peter Fratton vor 30 Jahren die erste von inzwischen fast 20 Schulen dieser Art gegründet hat, ließ Rolf Schönenberger, Schulleiter einer ganz normalen kommunalen Sekundarschule in Bürglen (Kanton Thurgau) Wände zwischen Klassenzimmern einreißen. So sind Lernlandschaften entstanden, kultivierte Lernbüros. Schüler arbeiten und lernen zusammen und die Lehrer auch.  

Moderation: Alfred Holzbrecher (Professor, PH Freiburg) 

 
II. Werkraum 

Eine Wurzelbehandlung der Langenweile:

Theater & Tanz in Schulen  

Enja Riegel, Ulrike Kegler sowie Lehrer und Künstler des Linzer Kulturhauptstadt-Projekts „I LIKE TO MOVE IT MOVE IT“ präsentieren und diskutieren mit den Teilnehmern.

riegelEnja Riegel hat als Schulleiterin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden etwas Unerhörtes gewagt. Auf ein Drittel des Fachunterrichts wurde verzichtet. Stattdessen arbeiten Lehrer und Schüler an großen Projekten. Vor der Aufführung eines Theaterstücks wird der Unterricht über Wochen völlig ausgesetzt. Ein Ergebnis: Spitzenwerte bei Pisa.

Trotz oder wegen weniger Unterrichts und mehr Theater?

Ähnliche Erfahrungen haben Schüler, Lehrer und Künstler in Linz gemacht. Zunächst machte ein mutiges Gymnasium den Versuch, an Schauspieler und Tänzer mehrere Stunden jede Woche aus dem Stundenplan abzutreten. Daraufhin wollten viele Lehrer in diesen Klassen nicht mehr unterrichten. Sie hatten Angst Ihren „Stoff“ nicht rüber zu bringen. Nach einiger Zeit hatte sich der Wind völlig gedreht. Die meisten Lehrer wollten nun unbedingt in diesen Klassen unterrichten. Schülerinnen und Schüler sind dort wacher und bringen bessere Leistungen.

Trotz oder wegen weniger Fachunterricht und mehr Tanz und Theater?

Dieses Projekt wurde jetzt im Rahmen von Linz09 (Kulturhauptstadt) für einige Monate mit 40 internationalen Künstlern an vielen Schulen in Linz und Umgebung ausgeweitet. Aber warum nur 40? Warum nur Linz? 

keglerUlrike Kegler leitet die staatliche Montessori-Oberschule in Potsdam. Auch dort wird viel Theater gespielt. Jetzt beginnt die Schule damit einen Teil des Unterrichts während der Pubertät auszusetzen. Schüler kultivieren mit einem Landwirt und einem Handwerker ein verwahrlostes, ehemaliges Stasi-Heim mit einem wunderbaren Grundstück an einem See. Selten konnte man Schüler so bei der Sache sehen.      Moderation: Reinhard Kahl

 

 

III. Ballettsaal 

Körper, Bewegungen, Töne

Markus Kosuch und Christan Rolle präsentieren, komponieren und diskutieren mit den Teilnehmern.

Der Komponist und Musikpädagoge Dr. Markus Kosuch (Stuttgart) wird mit den Teilnehmern eine Mini-Oper komponieren und inszenieren. Was dabei und was überhaupt mit Tönen und bewegten Körpern zwischen Menschen passiert, wird anschließend zusammen mit dem Bildungsforscher und Musikpädagogen Professor Christian Rolle (Universität Saarbrücken) und den Teilnehmern reflektiert.

Markus Kosuch schreibt:

Wir erarbeiten innerhalb von 2 Stunden eine Theaterproduktion, die voraussetzungslos bei den Beteiligten ansetzt. Vorkenntnisse im Bereich Theater sind ausdrücklich nicht nötig!

Es geht um den voraussetzungslosen Zugang und dabei das „Theater als Möglichkeits- und Erfahrungsraum“ kennen zu lernen.

IV. Theater im Marienbad  

Thema Zeit

Spielerisch und mit Reflexionen wird man sich im „Kinder- und Jugendtheater im Marienbad“ dem Thema Zeit nähern. Das Konzept ist derzeit noch nicht formuliert und wird später auf der Homepage des AdZ veröffentlicht.


16:30 Große Bühne – Großes Haus

Alptraum und Traum

Höchste Zeit für eine Schule zum Lernen und Leben

Zum Abschluss des ersten Tages im Theater (draußen geht es später weiter) ein Gespräch zwischen Freiburger Schülern, Gerald Hüther, Remo Largo und Reinhard Kahl.


20 bis 24 Uhr Der Mittsommernachtstisch


Ein kilometerlanges Band von Tischen wird sich zwischen dem Theater Freiburg und dem Theater am Marienbad vorbei an der Universität durch die Altstadt ziehen. In dieser öffentlichen Kunstaktion soll der Mittsommernachtstisch den Gästen der Baden-Württembergischen Theatertage den kulturellen Reichtum der Stadt Freiburg präsentieren. Personen und Institutionen werden dabei Gastgeber eines oder mehrerer Tische sein: Gastgeber und Gäste werden miteinander essen und trinken, sich Geschichten erzählen oder musizieren, „alles“, so heißt es in der Einladung der Theatertage, „ steht Ihnen frei, sofern es in respektvoller Rücksichtnahme auf alle anderen Teilnehmern geschieht. Die „offene Stadt“ in ihrer ganzen Vielfalt sollte an diesem Abend für alle Bürger und für alle Gäste erlebbar werden.“

Schule träumen soll an diesem langen Tisch ein Thema sein.

Den  Abschluss des Mittsommernachtstisches bildet um 24 Uhr das Theater Pan.Optikum mit der Vorpremiere seines neuen Stückes TRANSITion und einer spektakulären Feuerwerksinszenierung auf dem Platz vor dem Theater.

 

Sonntag 11 Uhr Großes Haus

Remo Largo - Alle Kinder sind verschieden und jedes lernt anders

remo_largoKinder sind viel unterschiedlicher als man denkt und Menschen werden im Laufe ihres Lebens immer verschiedener. Das ist das Ergebnis der Forschungen von Remo Largo. Der emeritierte Professor für Kinderheilkunde in Zürich hat über 30 Jahre 800 Kinder von der Geburt bis ins  Erwachsenenalter begleitet. Nun fragt er, was das für die Schule heißt. Er plädiert dafür in der Verschiedenheit der Schüler einen Vorteil zu sehen und dem Drang ihr Eigenes auszubilden Nahrung zu bieten. Hingegen mache zu viel Einheitsbrei nicht stark, sondern nur dick.


14:30 Theater Freiburg, Winterer Foyer

Mitgliederversammlung des Netzwerks Archiv der Zukunft

Für Mitglieder und alle, die es bis zu diesem Zeitpunkt geworden sind. Neben notwendigen Formalien, die zu erledigen sind, wollen wir die ersten beiden Jahre seit Gründung des Netzwerks reflektieren und beraten, wie es weitergeht. Zu den Projekten gehören „Theater träumt Schule“ die Vorbereitung der Bildungs-Biennale-Bodensee in Fortsetzung des Kongresses in Bregenz vom vergangenen Herbst und der Aufbau kontinuierlicher Arbeitsbereiche.

Höhepunkt: Aus Linz (Oberösterreich) kommen Mitglieder des Netzwerks „COOL“ sowie Pädagogen und Künstler, von „I LIKE TO MOVE IT MOVE IT“ die im Rahmen von Linz09 (Kulturhauptstadt) in Schulen gegangen sind (siehe oben, Samstagnachmittag „Wurzelbehandlung“).

Aus diesem starken Nukleus in Linz soll nun ein Netzwerk Archiv der Zukunft – Österreich hervorgehen.

Näheres die nächsten Tage in einer Einladung an die Mitglieder.

 

Theater am Sonntagabend

20 Uhr, Theater Freiburg, Kleines Haus

Mr. Marmalade von Noah Haidle, Deutsch von Brigitte Landes

Die vierjährige Lucy wird von ihrer Mutter häufig zu Hause alleingelassen. Auch die Babysitterin hat Wichtigeres zu tun, als sich um Lucy zu kümmern. Doch Lucy erschafft sich mit reger Fantasie ihre Gesellschaft selbst: Allen voran Mr. Marmalade, der sie besucht, wann immer sein Terminkalender es ihm erlaubt. Schockiert von seinen Ausschweifungen mit Kokain und Pornoheften, will Lucy ihn zum Teufel jagen. Aber so leicht lässt sich selbst ein imaginierter Mann nicht davon schicken.

20 Uhr, E-Werk

Humankapital nach dem Roman „Der Wert des Menschen“ von Francois Emmanuel

Der belgische Psychiater und Psychoanalytiker Francois Emmanuel entwickelt in seinem Roman „Der Wert des Menschen“, wie der für den Kapitalismus zugerichtete Mensch - offenbar immer mehr die "Züchtungsfantasien des Nationalsozialismus" mit anderen Mitteln fortsetzend - ungerührt "über Leichen geht", die er gar nicht bemerkt.

19:30 Münsterplatz

Open Air Don Quijote

Auf dem Freiburger Münsterplatz wird der Edelmann mit großem Sinn für Romantik unter freiem Himmel auf eine fabulöse Abenteuerreise gehen.

 

zuschauer

 

Liebe Mitglieder, liebe Freunde,

es müsste doch möglich sein, dass „Theater träumt Schule“ an vielen Orten zündet. Das Thema Bildung hat die Mitte der Gesellschaft erreicht, aber es hat noch nicht seinen Ort gefunden. Es verfängt sich in Deutschland immer noch in den Gräben unseres mehr als 30-jährigen Bildungskrieges, in Ressentiments und in alten Bildern vom Lernen, die eigentlich solche von Belehrung sind.

Theater könnten für das Träumen und Beraten einer guten Schule genau der richtige Ort sein. Ein schöner und würdiger Ort, eine Erde, die die reformerischen Satelliten vom Rande der Gesellschaft anzieht. Außer guten Orten braucht es natürlich präzise Themen, Freunde und vor allem bedarf es der Aufladung mit Schönheit und mit dem Eros des Lernens.

Die Möglichkeit zur Kooperation mit dem Theater Freiburg ist ein Glücksfall. Die Entstehung ein gutes Beispiel, wie das Netzwerk lebt und wächst. Die Idee entstand beim Tee in einem Freiburger Marokko-Imbiss mit Eltern, die in Freiburg gerade die Initiative „Schule mit Zukunft“ gegründet hatten und Theaterkontakte haben. Dass die Intendantin, Barbara Mundel, und der Spielleiter, Josef Mackert, nicht lange überredet werden mussten, ist ein Geschenk. Danke.

Eigentlich wollten wir uns in Freiburg etwas mehr Zeit zur Vorbereitung lassen, aber dann schien die Verbindung mit den Theatertagen eine Chance, die man nicht ausschlagen darf. „Schule träumen“ wird im Freiburger Theater in der nächsten Spielzeit ein Thema sein. In einem Jahr soll der Schultraum an einem Wochenende das ganze Haus, auf allen Bühnen bespielen und sich hoffentlich in der ganzen Stadt ausbreiten. Ein Freilandversuch mit dem Lernvirus.

Ein Traum? Vielleicht so:

Für Kinder gibt es "Verwandlungen" im Kostümfundus“. Eine Gruppe von Pädagogik- und Architekturstudenten hat im Malersaal ihre Traumschule aufgebaut. Im Foyer erzählen Leute Schulgeschichten. Sie waren nicht immer erfreulich. Auch schwarze Pädagogik wird inszeniert. Diskussionen in den Gängen. Kleine Foren. Pantomimen. Kinder und Jugendliche spielen Theater, überall. Auf der Hinterbühne ein "Schwarzmarkt der Weltverbesserer" mit Ideen, Initiativen und Geschichten. Schülerfirmen bewirten mit Picknick. Ein Sternekoch philosophiert, dass Rezeptkochen ähnlich dumm sei, wie ein Nachäff-Lernen. Sein Restaurant sponsert ein Festessen auf Bühne und Hinterbühne. Dafür werden die glücklichen Mitesser spenden. Sie dürfen die Höhe selbst bestimmen und die Adresse aus einer Projektliste auswählen. Wir hören den Dinner Speaker über Potlasch, ein Verschwendungsritual der Indianer. Was kann so ein Theater für eine tolle Polis sein. Wie wunderbar unübersichtlich es ist. Außerdem immer wieder Vorträge und Workshops. Man kann wählen.

Ein Schauspieler liest Montaigne „Über den Schulmeister.“ Ein anderer rezitiert Kästner. Der wusste alles. Im Filmraum sieht man Schulen, die gelingen, und hört von Schulen, die wie die Helene-Lange-Schule (Wiesbaden) von sich sagen können: Wer viel Theater spielt, ist auch besser in Mathematik. Auf dem Vorplatz Musik von Vaganten. Und da kommt zum Schluss auch noch der Kabarettist Georg Schramm, um endlich mal mit dieser ganzen Schmuse-, Traum- und Alternativpädagogik richtig aufzuräumen. Seine Assistenten tragen Kisten mit Testbögen ins Theater, sie wollen von den Erwachsenen wissen, was nach 9 bis 13 Jahren so hängen geblieben ist. Am Eingang gibt es für Besucher den Test. Sie müssen die inklusive Mehrwertsteuer aus dem Eintrittspreis ausrechnen. Eintritt wird nur für die großen Vorträge verlangt, 5 Euro, wie jetzt am Juni Wochenende.

Das Wochenende in Freiburg ist sicher eine Reise an die Dreisam wert, auch wenn dieses natürlich kein überregionaler Kongress ist, sondern eine lokale Veranstaltung. Aber alle, die bei sich zu Hause, etwas Ähnliches auf die Beine stellen wollen, sollten sich das ansehen.

Für die beiden großen Vorträge von Hüther und Largo können über die Geschäftsstelle Plätze reserviert werden. Wir wollen auch sehen, dass es für die weit Angereisten in den vier Werkstätten sichere Plätze gibt. Für das Freiburger Wochenende ist aber keine Anmeldung nötig.

Herzlich und auf Weiteres

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