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Bildungsstudie: Starre Schule – schlechte Schüler Drucken

von Erich Witzmann (Die Presse)

Der Großteil der Kinder verliert nach der Volksschule die Freude am Lernen in der Schule. Lehrer sehen kaum Mitschuld an Unlust und schulischen Misserfolgen. Ein Team der Uni Wien befragte über 4000 Schüler.

Sie wollen ein bestimmtes Maß an Autonomie, und sie wollen an der Unterrichtsgestaltung mitwirken. Diese Wünsche der österreichischen Schüler bleiben unerfüllt – das starre Schulsystem verhindert die Eröffnung von Freiräumen. Die Folge: Die Lernmotivation sinkt, die Schulunlust steigt.

Ein Dissertantenteam von der Bildungspsychologie der Uni Wien befragte über 4000 Schüler an 40 AHS und Hauptschulen nach den Gründen, warum die Freude am Lernen nach den vier Volksschuljahren – also am Beginn der Sekundarstufe – so rapid zurückgeht. Das Ergebnis: Je mehr die Schüler Autonomie und Mitverantwortung erhalten, desto interessierter wären sie auch. Dann glauben sie, etwas im Unterricht und letztlich auch für sich selbst bewirken zu können. Sie wollen bei der Themenauswahl und auch im sozialen Bereich (etwa bei Gruppenbildungen) mitwirken. Aber in der AHS und der Hauptschule gibt es diese Art der Autonomie nicht.

In der Volksschule war das aus Schülersicht noch anders. Da kam völlig Neues auf sie zu, sie fühlten sich gefordert, die Einzellehrkraft kannte sie besser und gestattete bestimmte Freiräume. „Die Volksschüler dürfen mehr ausprobieren“, zitiert Uni-Assistent Marko Lüftenegger eine in ähnlichen Variationen wiederkehrende Aussage. „Sehen sie aber keine Chance auf Mitwirkung, ist auch die Motivation gering.“

Unmittelbar nach dem Wechsel in die Hauptschule oder AHS-Unterstufe steigt vorerst das Interesse an Neuem. Dann jedoch wird der Unterschied zwischen dem, was sich ein Schüler wünscht, und dem, was die Schule in den Augen der Schüler bietet, immer größer. Während die Schule noch für mehr als 60 Prozent der Volksschulkinder jener Ort ist, an dem „Lernen Spaß macht“, trifft das nur noch für nicht einmal mehr 20 Prozent der Oberstufenschüler zu (siehe Grafik). Sie lernen lieber zu Hause oder an anderen Orten.

Auch was die Gründe für schulische Misserfolge anlangt, klaffen die Vorstellungen von Lehrern und Schülern auseinander. Auf schlechte Noten angesprochen, antworten viele Kinder mit „Ich strenge mich an, aber ich kann nicht mehr“, „Die Aufgabe war zu schwierig“ oder „Auch die anderen waren genauso schlecht“.

Lehrer sehen Schuld bei Schülern

Die Schuld wird nicht bei sich selbst, sondern bei äußeren Faktoren gesucht. Erhält man aber eine gute Note, dann wird sehr wohl der Grund bei der eigenen Anstrengung und der eigenen Fähigkeit gesehen. Die Lehrer sehen das anders: Es liege am Schüler, an seinem geringen Interesse am Unterricht, an der kaum vorhandenen Lernmotivation, sagen 20,3Prozent der befragten Lehrkräfte. Dass auch die Pädagogen (Mit-)Schuld an schlechten Leistungen tragen könnten, glauben hingegen nur 3,4 Prozent. Faktoren des Unterrichts spielen gar nur für 1,7 Prozent eine Rolle. Die Lehrkräfte geben aber auch zu Protokoll, selbst über eine zu geringe Kompetenz zu verfügen, um ihren Schülern die Freude am Lernen beizubringen. Sie fühlen sich nicht in der Lage, selbstregulierten Unterricht zu vermitteln.

Beim Projekt der Wiener Bildungspsychologie handelt es sich um einen Forschungsauftrag des Unterrichtsministeriums. Die teilnehmenden Schulen meldeten sich freiwillig. In Wien entschieden sich ausschließlich AHS-Direktoren, aus Niederösterreich hingegen Hauptschuldirektoren sowie eine AHSDirektorin für die Mitwirkung.

Warum keine einzige Hauptschule aus Wien dabei gewesen sei, weiß man nicht. Der Verdacht liegt nahe, dass die fehlende Lernmotivation hier in vielen Schulen wohl noch stärker ausgeprägt ist. Zwischen der AHS und den niederösterreichischen Hauptschulen fielen jedenfalls keine Unterschiede auf.



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